Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «W» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Die "Gehirnwasserwelle"
Unser Gehirnwasser reicht durch den Spinalkanal, der das Rückenmark umgibt, hinunter bis in den von den Beckenschaufeln getragenen Bauch. Dieser kontrahiert und entspannt sich zusammen mit der Atembewegung. Der Druck überträgt sich auf den Spinalkanal, dadurch hebt und senkt sich das Gehirnwasser und damit das Gehirn, das im Gehirnwasser schwimmt. Unser Bewusstseinsschiff schaukelt auf den von Lunge und Bauch zwischen Waage und Widder erzeugten Wellen des Gehirnwassers.

Die folgende einfache Übung hilft, dem nachzuspüren. Stellen Sie sich locker, aber gerade hin. Spüren Sie in Ihren Körper hinein, besonders in Bauch und Hüften. Erzeugen Sie ausserdem eine leichte Muskelspannung in der unteren Wirbelsäule und im Bauchraum.

Aktivieren Sie mit leichten Kontraktionen des Unterkörpers Ihre Energiesäule so, dass Ihr Körper sich streckt, entspannt und wieder streckt. Spüren Sie, wie gleichzeitig am Schädeldach ein leichter Sog entsteht, der ebenfalls die Aufrichtung und das Grösserwerden unterstützt? Vielleicht so, als würde Ihr Schädeldach ein klein wenig leichter oder als schwämme es auf einer Welle.

Fahren Sie mit diesem rhythmischen Auftrieb-Erzeugen fort und halten Sie die Hände mit nach unten weisenden Handflächen neben Ihre Schläfen. Bringen Sie ein klein wenig von der aufbauenden Spannung, die wir jetzt schon öfter geübt haben, in die Hände, sodass diese die Bewegung aufgreifen und sachte mit der Gehirnwasserwelle mitschwingen.

Mit etwas Übung können die Hände von der Welle gehoben werden, nach vorne davongleiten und wie an einem Strand auslaufen. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, dass Sie den Rückstrom abwarten und dieser Ihre Hände in einer rückläufigen Welle bis neben oder hinter den Kopf zurückträgt.

Die "stehende Welle"
Wenn Ihnen die Übung mit der Gehirnwasserwelle gelungen ist, kennen Sie schon fast alles, was Sie für das "W" brauchen. Die äusserliche Wellenbewegung der Arme ist wie bei den Wasserwellen in der Natur das Resultat einer intensiven inneren Auf- und Abbewegung.

Auf- und Abströmen
Erzeugen Sie als Vorübung mit den Händen ein intensives Auf- und Abströmen. Das ist in unserer allerersten Übung (Grundlagen) beschrieben. Bleiben Sie mit der Bewegung der Hände verbunden. Erleben Sie, wie der von den Händen bewegte Strom auch entlang der Wirbelsäule auf- und absteigt und den Körper und den Atem mitnimmt.

Die vertikale Acht
Gehen wir über zum "W", aber bauen wir es langsam auf. Zuerst verbinden wir das Auf- und Abströmen mit einer auf- und absteigenden Wellenlinie. Fahren Sie der auf- und absteigenden Welle erst ein paarmal äusserlich mit der Hand entlang. Im Prinzip ist es eine vertikal stehende Acht, die Sie mit den Fingern voraus entlangfahren.

Stellen Sie sich dazu locker und entspannt hin, die Handflächen schauen nach unten, die Fingerspitzen nach vorne. Bewegen Sie beide Hände zuerst nach vorne, wenden Sie die Fingerspitzen nach oben und folgen Sie mit der Bewegung der Richtung der Finger nach oben. In Körpermitte führen Sie die Fingerspitzen nach hinten und folgen Ihnen, bis die Hände hinter Ihrem Kopf nach oben kommen. Oben führen Sie die Hände wie bei der "Gehirnwasserwelle" über dem Kopf nach vorne und lassen die Hände mit den Fingerspitzen voraus vor der Brust nach unten sinken. Auf Zwerchfellhöhe geht es nach hinten, hinter dem Becken nach unten und auf Beckenbodenhöhe sind Sie wieder in der Anfangsposition angelangt.

Die "stehende Welle" im Gleichstrom
Jetzt verbinden Sie die auf- und absteigenden Wellenlinien der Hände mit Ihrem inneren Auf- und Abstrom entlang der Wirbelsäule. Erzeugen Sie diesen ohne Zuhilfenahme der Hände nur durch Ihre Aktivität im Körper - so wie Sie es vorher zum Erzeugen der "Gehirnwasserwelle" gemacht haben. Machen Sie den Auf- und Abstrom so kräftig, dass sich die Wirbelsäule deutlich streckt und entspannt und sogar die Beine etwas mitmachen. Nun fahren Sie genau wie vorhin mit den Handflächen die auf- und absteigende Acht entlang, aber so, dass diese nicht eigenaktiv gehoben und gesenkt werden, sondern vom inneren Auf- und Abstrom nach oben getragen und heruntergeführt werden.

Wenn Sie in den Händen die geeignete Spannung aufbauen, fühlen sie sich auf dem Weg nach oben und unten schwerelos an. Im oberen Bogen werden sie so konkret vom Aufstrom getragen, dass Sie das Gefühl von einer Welle haben, die über etwas hinüberschwappt. Unten tasten sich die Fingerspitzen von hinten nach vorne, bis sie wieder kräftig nach oben mitgenommen werden. Die Hände sind vor allem tastend-wahrnehmend aktiv, um die Form zu führen. Die Hebearbeit leisten Sie mit Ihrem Körper, indem Sie die innere Welle, den Auf- und Abtrieb entlang der Wirbelsäule, erzeugen.

Ist es Ihnen gelungen? Prima, dann beherrschen Sie jetzt eine Gebärde für das "W", die "stehende Welle", die wir für das Skifahren anwenden können. Doch bevor wir auf die Piste gehen, möchte ich Ihnen noch ein paar Anregungen für die weitere Ausgestaltung der Gebärde geben.

Die "stehende Welle" im Gegenstrom
Eben habe ich Ihnen gesagt, dass die Hände zusammen mit dem inneren Aufstrom nach oben gehen. Jetzt schlage ich Ihnen vor, in den Gegenstrom zu wechseln. Wenn sich der Rücken streckt, machen die Arme die halbe Acht nach unten. Wenn Unterleib und Rücken entspannen, steigen die Hände auf.

Sie werden erstaunt sein: Körpergefühl und Armbewegung passen noch besser zusammen als vorher, die Bewegung geschieht ohne jede Anstrengung und fast von allein: die Hände steigen und der Körper sinkt - die Hände sinken und der Körper steigt. Versuchen Sie es, es ist viel einfacher, als Sie jetzt vielleicht denken!

Sie fragen sich, in welcher Stellung Sie beginnen sollen? Am einfachsten ist es, aus der unbewegten Stellung zu beginnen. Wenn Sie die Hände unten haben, wissen Sie, dass die Beine nach unten gehen und die Hände hoch. Dann fangen Sie an - der Rest ergibt sich von alleine.

Sie können aber auch erst im Verlauf der Bewegung umstellen. Dann machen Sie zuerst einige "W" im Gleichstrom. Irgendwann verzögern Sie die Bewegung der Hände ein wenig und gehen über in den Gegenstrom.

Die "stehende Welle" im Gleichstrom und im Gegenstrom
Mit dem Gegenstrom fängt die Eurythmie an. Aber die Eurythmie ist nicht dogmatisch. Darum gibt es noch eine weitere, sehr einfach zu befolgende Stufe dieser "W"-Bewegung: Fühlen Sie sich nicht an einen bestimmten Ablauf von Strom und Gegenstrom gebunden! Kontrollieren Sie nicht, welche Variante von Gegenströmung Sie gerade fahren! Bewerten Sie das, was Sie gerade erleben, höher als alles Formelle. Wir wollen uns beim Fahren auf die Gegebenheiten der Piste und der Umgebung einlassen und nicht ein festgelegtes Bewegungsschema vollziehen.

Fahren Sie ein Stück mit dem "W", bis Ihre Gebärde angenehm und leicht im Gegenstrom stattfindet. Dann lassen Sie los und erlauben dem "W", seine eigene Dynamik zu finden. Das kann dazu führen, dass die Gebärde und der Körper zum Beispiel gemeinsam nach unten gehen, aber Sie selbst gerade in diesem Moment mental weit über sich hinausfühlen. Oder dass sich Körper und Arme nach oben bewegen und Ihr Kontakt nach unten gerade besonders gut ist.

Im Video zum "W" werden alle vier Stufen demonstriert:

  1. Auf- und Abströmen
  2. Die "stehende Welle" im Gleichstrom
  3. Die "stehende Welle" im Gegenstrom
  4. Die "stehende Welle" im Gleichstrom und im Gegenstrom

Das "W" auf der Piste
Grossartige Variationen, wie wir sie von anderen Lauten kennen, braucht das "W" nicht. Wenn Sie auf einer Piste fahren, die eine steile Welle nach unten macht, greift das "W" die Dynamik gerne auf. Beginnen Sie das "W" beim Übergang in den steilen Streckenabschnitt mit einer ausgeprägten, fast mächtigen Bewegung über dem Kopf nach vorne. Im steilsten Teil der Piste führen Sie das "W" in der halben Acht ruhig nach unten. Wenn das Gelände flacher wird, strecken Sie den Körper gegen den Druck der Piste und bringen die Gebärde in der unteren Stellung auf Beckenbodenhöhe zum Abschluss.

Ansonsten liebt das "W" die flachen Pisten, in denen es selbstversunken und doch dynamisch dahinfahren kann. Geniessen Sie den Einklang mit der Natur und den Einklang mit Ihrem Körper. Tauchen Sie ein in die Vitalkräfte des unteren Menschen. Tauchen Sie auf und spüren Sie die Leichtigkeit und die Flügel des oberen Menschen.

Erleben Sie es auch so? Mit dem "W" bleiben Sie mit dem Unten verbunden, wenn Sie oben sind, und Sie bekommen Auftrieb, wenn Sie unten sind.

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