Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «T» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Das "grosse T"
Die Gebärde für das "T" ist sehr einfach. Stellen Sie sich aufrecht hin, die Beine relativ nahe beieinander. Lassen Sie die Arme locker hängen, drehen Sie die Handflächen nach aussen und heben die Hände mit weit ausgestreckten Armen und nach oben weisenden Handflächen langsam links und rechts nach oben. Über dem Kopf führen Sie die Hände in einem Bogen so zusammen, dass Handrücken an Handrücken zu liegen kommt. Dann führen Sie die Hände mit den Fingerspitzen voraus von oben zum Scheitel herunter, bis sie ihn sachte berühren. Weil Sie mittlerweile schon viel über die Eurythmie gelernt haben, dürfte Ihnen klar sein, dass zu dieser Abwärtsbewegung ein Gegenstrom entsteht, der Sie von unten her aufrichtet und die Abwärtsbewegung der Hände mildert.

Dass dem Abstrom der Hände ein Aufstrom von unten entgegenkommen muss, wussten Sie. Aber woher kommt der Abstrom der Hände - in der Eurythmie machen wir ja möglichst wenig willkürlich? Das Gewicht ist es nicht, denn ich hätte die Hände auch noch fünf Minuten länger oben lassen können.

Da berühren wir meiner Meinung nach etwas Wesentliches beim "T": Der Abstrom in der Mitte entsteht, weil links und rechts etwas aufströmt. Darum muss die Energie, die die Hände links und rechts nach oben getragen hat, auch dann noch nach oben strömen, wenn die Finger in der Mitte herunterkommen.

Haben Sie mitgezählt? Wie viele Ströme, Gegenströme und Gegengegenströme sind am "T" beteiligt? Ich fasse zusammen:

  1. Aussen strömt es hinauf.
  2. In der Mitte strömt es von oben herunter.
  3. Durch meinen Körper strömt es von unten nach oben herauf.
  4. Am Schluss der Gebärde wirken alle drei Ströme gleichzeitig.

Wollen Sie es versuchen? Stellen Sie sich aufrecht hin. Lassen Sie die Hände locker hängen und drehen Sie die Handflächen nach aussen.

  1. Erzeugen Sie einen Aufstrom, der Ihre weit ausgestreckten Arme mit nach oben weisenden Handflächen langsam links und rechts nach oben trägt.
  2. Während Sie aktiv nach oben strömen, spüren Sie, wie von oben ein Gegenstrom mit ganz anderer Qualität herunterkommt. In diesen Strom geben Sie Ihre Hände hinein, legen Handrücken an Handrücken und führen die Hände mit den Fingerspitzen voraus zum Scheitel herunter, bis sie ihn sachte berühren.
  3. Sie spüren und erzeugen noch immer den äusseren Aufstrom, der Ihre Hände am Anfang nach oben getragen hat. Sie spüren dessen feinen Gegenstrom, der von oben herunterkommt. Und Sie bemerken, wie in Ihrem Körper ein dritter Strom entsteht, der Sie von unten her aufrichtet.
  4. In Brustkorb und Herzbereich spüren Sie die Begegnung der beiden Ströme am intensivsten. Sie kann stattfinden und von Ihnen erlebt werden, weil Sie den äusseren Aufstrom, die Quelle für dieses Geschehen, noch immer erzeugen und wahrnehmen.

Möchten Sie noch weiter gehen? Dann frage ich Sie: Woher kommt der äussere Aufstrom der Arme, wo ist er verwurzelt? Die anfangs erwähnte Beziehung des "T" zum Wassermann und den Unterschenkeln kann uns helfen.

Beginnen wir also noch einmal von vorne mit dem Aufströmen der Arme. Versuchen Sie jetzt, so sachte wie möglich von Ihren Waden nach unten zu strömen und daraus den Aufstrom, der die Arme nach oben trägt, hervorgehen zu lassen. Wenn Sie das schaffen und bis zum vierten Schritt aufrechterhalten können, haben Sie die Meisterprüfung bestanden!

Durch die Begegnung der Ströme von unten und oben im Bereich des Herzens werden Sie innerlich bewegt. Sie schaffen die Voraussetzung für eine "Herz-zu-Herz-Begegnung" - mit anderen Menschen und mit Ihrer Umgebung.

Das "grosse T" im Fahren
Wenn Sie auf einer flachen, leeren Piste ein schönes Panorama vor sich haben, wenn ein Ziehweg unter einer Allee von Bäumen hindurchführt, sind das schöne Momente für ein "grosses T". Es ist einfach grossartig, wenn die Natur auf einen zukommt und man ihr damit begegnen kann.

Das "T" beginnt, sobald die Arme steigen und hoch über dem Kopf langsam in die Rundung der Gebärde gehen. Strecken Sie sich, wenn die Hände von oben herunterkommen, dehnen Sie Ihren Brustkorb ein wenig aus und werden Sie dem Panorama ein würdiges Gegenüber. Wenn das Erlebnis abklingt, öffnen Sie die Arme wieder nach links und rechts, wo sie langsam nach unten sinken. Ein grosses Einatmen, ein grosses Ausatmen.

Auch wenn das "grosse T" an das Bild eines Herzens erinnert, das die ganze Welt empfindet - das "T" ist ein Körpererlebnis! Halten Sie die Gebärde nur so lange aufrecht, wie Sie diese noch als Bewegung, als Prozess erleben können.

Zum Kurvenfahren hat das "grosse T" keine Beziehung. In Kurven überwiegt der Selbstbezug, der Fokus auf die eigene Aktivität. Das "grosse T" will lieber flach auf den Skiern dahingleiten und die Kanten nur mässig einsetzen. Es schätzt den Naturbezug, und den will es sich nicht nehmen lassen.

Üben Sie, das "T" auch dann offen, gross und langsam zu machen, wenn das Gelände uneben ist. Unten in den Beinen müssen Sie sich irgendwie konzentrieren, aber im Oberkörper trotzdem offen bleiben.

Das "gestreckte T"
Das "gestreckte T" beginnt wie das "grosse T". Sie stellen sich aufrecht hin, steigen links und rechts mit den Armen nach oben und gehen über dem Kopf langsam in die Rundung der Gebärde über. Dann führen Sie die zusammengelegten Handrücken vor dem Körper nach unten, bis die Arme gestreckt sind. Die Handrücken liegen immer noch aneinander, der Strom der Hände geht tief in die Erde hinein, und der Gegenstrom von unten richtet Sie auf.

Ich empfehle Ihnen, dass Sie nach dem Hinunterführen der Arme die Ellenbogen mit leichtem Druck aufeinander zubewegen, bis ein Endpunkt erreicht ist. Dadurch strecken sich die Arme noch mehr und verstärken den Strom nach unten.

Wenn Sie das Zusammendrücken der Ellenbogen nicht äusserlich, sondern mit einem guten Körpergefühl gemacht haben, werden Sie merken, dass die Brust trotz der engen Stellung der Oberarme nicht bedrängt wird, sondern sich grösser und freier anfühlt als zuvor. Ist das so? Prima, jetzt haben Sie noch einen weiteren Gegenstrom im "T" entdeckt.

Das "gestreckte T" im Fahren
Das "gestreckte T" erinnert an einen Nagel, der unverbrüchlich im Ganzen verankert ist. Beim Fahren lässt es sich sehr schön mit einem Stopp verbinden. So, als würde man einen Streckenpfosten setzen, der gut verankert ist.

Nehmen Sie sich vor, dass Sie an einer bestimmten Stelle am Ende eines Hangstückes anhalten möchten. Während Sie darauf zufahren, beginnen Sie langsam mit der "T"-Gebärde. Teilen Sie sich die Zeit so ein, dass auf halber Strecke die Handrücken zusammenkommen, und schieben Sie die rückseitig zusammengelegten Hände ruhig, aber kraftvoll vor dem Körper nach unten. Während Sie das tun, leiten Sie einen ruhigen Bremsschwung ein. Die eng zusammengedrückten Arme zeigen entlang der Beine in die Richtung, in die die Skier seitlich gleiten. Verstärken Sie die Gebärde, bis sie für Ihr Gefühl tief in den Boden hineingeht, und kommen Sie damit zum Stopp.

Wurde der Körper beim Stoppschwung nicht nach unten gedrückt, sondern hat er sich sogar aufgerichtet? War Ihr Stand nach dem Stopp auffallend stabil? Hatten Sie das Gefühl, dass es stimmiger ist, das stabile Körpergefühl in dieser Haltung zwei, drei Sekunden auf sich wirken zu lassen und dann erst weiterzufahren? Dann haben Sie die Kraft des "T" gespürt!

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