Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «S» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Das führende Prinzip beim "S": Kanten und Flächen
Stellen Sie sich vor, Sie bewegen Ihre Handfläche wie ein Messer, das durch eine zähe Masse schneidet und seine Wölbung verändern kann. Wölbt sich die Handfläche ein wenig, beginnt die Hand einen Bogen in diese Richtung. Überdehnen Sie die Handfläche, sodass sich der Handrücken nach aussen wölbt, beginnt die Hand einen Bogen in die andere Richtung. Die Kante und die sich ständig ändernde Krümmung der Handfläche bestimmen den Kurs.

In der Eurythmie können Sie die "zähe Masse" durch ein Energiefeld ersetzen, das Sie durch eine leichte Spannung in der Hand erzeugen. Dann können Sie - ähnlich wie bei dem Beispiel mit dem Messer - durch leichte Krümmungs- bzw. Spannungsänderungen die Richtung der Bewegung steuern. Für Ihr Gefühl wiegen die Hände und Arme nichts. Sie sind aufgehoben in der Intensität der "S"-Bewegung.

Das funktioniert aber nur, wenn Sie Ihren ganzen Körper und seine Energiesäule spüren und leicht mitbewegen. Führen Sie die Bewegung sorgfältig mit Hilfe Ihrer Empfindung in der Hand. Und bleiben Sie auch dann gut im Körper verankert, wenn Sie sich auf die Hand konzentrieren. Wenn Sie das beherrschen, können Sie die Bewegung äusserlich extrem schnell werden lassen - innerlich bleibt sie trotzdem langsam.

Wenn Sie ganz in das Flächen- und Kantenprinzip Ihrer Hand hineinschlüpfen, können Sie anfangen zu "zaubern" und eine ganze Vielfalt von Wellen- und Drehbewegungen im Arm und Handgelenk entstehen lassen. Je nachdem, welche Formen Sie hervorrufen, biegt sich Ihre Körperachse mit oder Sie werden sogar um Ihre eigene Achse gedreht, weil Sie von Ihrer Hand herumgezogen werden und ihr hinterherlaufen müssen.

Die Grundgebärde des "S"
In der Eurythmie gestaltet man das "S" gerne als eine auf- oder absteigende S-Linie links und rechts vor dem Körper. Die Handflächen schmiegen sich exakt in den Krümmungsverlauf und führen die Handkante - wie eben geübt - mit Hilfe der Spannung und Wölbung der Hand an der Form entlang.

Führen Sie das "S" nur mit einer Hand aus, schwingt die Wirbelsäule leicht nach rechts und links mit. Machen Sie es symmetrisch mit beiden Händen, streckt und entspannt sich die Wirbelsäule in der vertikalen Richtung. Wenn Sie den Bogen am Ende einer S-Linie weiterführen und ein "S" in die andere Richtung anschliessen, dann bekommen Sie eine Acht.

Bleiben wir der Einfachheit halber beim symmetrisch auf- und absteigenden "S" mit beiden Händen. Je nachdem, ob Sie das "S" nach innen oder nach aussen anfangen, ist die Wirkung anders. Beim ersten Mal empfehle ich meistens, das "S" mit beiden Armen nach innen zu beginnen. Am Anfang des "S" bewegen sich die Hände aufeinander zu, in der Mitte, auf Höhe des Zwerchfells, streben sie auseinander und am Schluss kommen sie wieder zusammen. Diese Form betont den Weg nach innen und zentriert.

Alternativ können Sie das "S" nach aussen beginnen. Die Hände streben auseinander, kommen zusammen und gehen wieder auseinander. Es entsteht eine Form, die oben und unten viel Volumen hat. Bei dieser Bewegung sollten Sie gut auf Ihre inneren Gegenbewegungen achten, damit Sie zentriert bleiben.

Die untere und die obere Hälfte des "S" sollten ähnlich gross sein. Vor allem der untere Bogen mit seinem Bezug zum Körper und zur Erde kommt oft zu kurz und verdient Aufmerksamkeit.

Der Einfachheit halber habe ich die parallele "S"-Bewegung so geschildert, als würden sich die beiden "S"-Linien vor dem Körper nicht berühren oder gar schneiden. Das war aber nur, um die Beschreibung einfach zu halten. In Wirklichkeit sind Sie vollkommen frei, die Hände beim Auf- oder Absteigen so weit zu kreuzen, wie Sie wollen. Nehmen wir als Beispiel ein nach innen beginnendes, aufsteigendes "S". Damit es nicht zu kompliziert wird, beschreibe ich nur den rechten Arm, der linke bewegt sich spiegelbildlich dazu:

Sie führen den rechten Arm auf Beckenbodenhöhe mit nach unten weisender Handfläche von rechts aussen herein. Die Handfläche ist etwas überdehnt, damit die Krümmung der S-Linie folgen kann. Die Hand kreuzt weit auf die linke Seite hinüber, steigt auf und kommt mit nach oben gewendeter Handfläche auf Brusthöhe zurück zur Mitte. Die Überstreckung der Hand lässt nach, die Wölbung wird leicht konkav, aber die Grundspannung bleibt bestehen. So führt die Hand den zweiten Bogen mit zum Körper gewendeter Handfläche auf der rechten Seite nach oben. Die Bewegung endet über dem Kopf mit wieder nach unten weisender Handfläche.

Grundsätzlich rate ich Ihnen, das "S" bereits auf Schulter- oder Kopfhöhe abzurunden und nicht höher hinaufzuführen. Dann ist es einfacher, den Körper- und Bodenbezug zu behalten. Wenn Sie die "S"-Gebärde beenden - egal ob über dem Kopf, unten oder sonst wo - behalten Sie die Schärfe und die Spannung in der Hand noch eine kurze Zeit aufrecht. Spüren Sie Ihre Energiesäule und die verborgene Kraft, die im "S" wirkt.

Das "I" im "S"
Unabhängig davon, ob eine Gegenbewegung aufströmt oder abströmt, sich ausdehnt oder zusammenzieht, sobald Sie eine Gegenbewegung wahrnehmen und den Körper darauf reagieren lassen, gewinnt er an Kraft und streckt sich.

Versuchen Sie das doch auch beim "S": Gelingt es Ihnen, das "S" mit beiden Händen so nach unten zu führen, dass sich dadurch Ihr innerer Merkurstab aufrichtet und der Körper sich sogar streckt? Dann haben Sie durch innere Aufmerksamkeit den Gegenstrom wachgerufen und Ihren Körper so gestimmt, dass er beides kann: immer noch die Abwärtsbewegung der Arme spüren und trotzdem der von unten kommenden Gegenbewegung nach oben folgen.

Umgekehrt sollte ein "S" nach oben Ihre Verbindung zum Körper nicht schwächen, sondern sogar eine gute Verbindung nach unten zur Erde herstellen.

Kurven, Kanten, Carven
"Carven" kommt aus dem Englischen. Das englische Verb "to carve" bedeutet "schnitzen, einmeisseln, sich seinen Weg bahnen, zerschneiden". Carver sind die Graveure der Piste. Ein guter Carver hat die Spur, die er hinterlässt, im Bewusstsein. Er fährt im Boden. Vom Skilift aus bewundert man heute nicht mehr diejenigen, die am schönsten fahren, sondern diejenigen, die die schönste Spur ziehen.

Vergessen Sie also das Schönheitsideal älterer Skifahrer-Generationen. Fahren Sie breitbeinig, fühlen Sie sich wie ein Elefant und carven Sie ein "S" nach dem anderen in den Boden. Lassen Sie die Arme locker hängen und konzentrieren Sie sich für das Folgende nur auf die Beine.

Leiten Sie die Kurven nur durch eine Gewichtsverlagerung ein. Warten Sie, bis die Skier von selbst aufkanten, sich in den Radius biegen und eine scharf gezogene Linie in den Schnee zeichnen. Erlauben Sie den Skiern nicht, in den Kurven zu rutschen.

Können Sie die Kurvenrichtung wechseln, ohne dass Sie sich aufrichten und die Skier entlasten? Ja, das geht! Wenn Sie am Ende eines Bogens durch einen zusätzlichen Impuls mit den Knien die Kantenneigung noch einmal verstärken, ziehen Ihre Skier ohne jede andere Massnahme unter Ihnen auf die andere Seite hinüber, gehen von selbst auf die Kante und beginnen den nächsten Bogen.

Carven Sie weiter breitbeinig und ruhig dahin. Gehen Sie von einem Bogen in den anderen über. Geradeaus existiert nicht. Geben Sie Druck. Ziehen Sie scharfe Linien. Graben Sie Ihre Spur in den Boden. Hören Sie den Sound der Skier: "Ssssssss"!

Gegenläufige Skier
Die Selbstregulationskraft von Carving-Skiern - eine "S"-Eigenschaft - zeigt das folgende kleine Experiment:

Fahren Sie auf einer flachen Piste mit dicht nebeneinandergestellten Skiern talwärts. Wenn Sie O-Beine machen, indem Sie die Knie nach links und rechts auseinanderdrücken, gehen beide Skier auf die Aussenkante und beginnen aufgrund ihrer Taillierung auseinanderzufahren. Sobald die Skier weiter aussen sind als Ihre Knie, gehen die Skier auf die Innenkanten und drehen aufgrund ihrer Taillierung langsam nach innen, bis sie wieder aufeinander zufahren.

Wenn Sie die Knie unbeweglich in ihrer breiten Position halten, kreuzen die Skier unter diesen durch, gehen langsam wieder auf die Aussenkanten und fahren nicht übereinander, sondern drehen ohne jedes Zutun um. Dann beginnt das Spiel von neuem. Sie müssen nur dafür sorgen, dass die Knie unverändert in der weiten Position bleiben. Alles andere läuft von alleine.

Als Fahrer erleben Sie staunend, wie die leicht gebogenen Kanten der Carving-Skier aus einer scheinbar instabilen Situation eine stabile machen. Die Skier laufen auseinander - aber Sie machen keinen Spagat. Die Skier laufen aufeinander zu - aber Sie machen keinen Salto. Die einzige Voraussetzung ist, dass Sie die Knie präzise an ihrem Ort halten und die Skier richtig belasten. Mit der Zeit entwickeln Sie sogar ein Gefühl von Sicherheit.

Schleppliftfahrten können - sofern keine Spur für die Skier vorgegeben ist - auf diese Weise recht unterhaltsam gestaltet werden. Es geht dort sogar noch besser als auf der Piste, da der Schub des Liftbügels für Druck auf den Vorderskiern sorgt - und der ist nötig, damit die Skier den Kanten auch wirklich folgen und von aussen wieder hereinkommen.

Das "hohe S"
Beim Skifahren beginnen Sie am besten mit dem "hohen S". Hier können Sie alle Varianten der beschriebenen Grundgebärde anwenden, kombinieren und variieren.

Heben Sie zum Beispiel beide Arme seitlich in einem grossen Bogen bis auf Schulterhöhe. Dann führen Sie die Hände vor oder neben dem Körper in einer ruhigen "S"-Gebärde nach unten und danach wieder nach oben. Auf diese Weise entsteht eine vom "S" gebildete Acht, die Sie ohne Unterbrechung mehrmals ausführen können. Gelingt Ihnen das? Gut, dann lassen Sie doch einmal die aufeinanderfolgenden "S" ineinander übergehen und beginnen trotzdem jede Wiederholung, als wäre es eine neue Gebärde.

Weil Sie die "S"-Linie mit Ihrer Handfläche bilden und deshalb den Arm ständig verdrehen, entsteht in jeder Position eine andere Muskelspannung in Arm und Hand. Damit können Sie die Kraft des "S" über die Gebärde hinaus bis in die Kanten der Skier wirken lassen und dadurch die Dynamik des Fahrens verändern.

Beim "hohen S" geht es vor allem darum, das Majestätische des "S", das potentiell Machtvolle, zu spüren und mit dem Fahren zu verbinden. Was Sie tun, kommt bei den Skiern, bei den Kanten an. Das "S" zieht Sie nicht hinunter, sondern erzeugt oder verstärkt von innen her Ihre aufrechte Haltung.

Wenn Sie das "S" abwechselnd mit einer Hand machen, haben Sie die Wahl, ob Sie den kurvenäusseren oder den kurveninneren Arm einsetzen wollen.

Das "Halbmond-S"
Hier geht es darum, mit Einsatz der "S"-Kraft etwas Entscheidendes in den Skiern zu bewirken. Wie ein Segler, der sein Boot mit dem Ruderblatt hart am Wind hält, führen Sie mit dem "S" die Skier präzise durch die Kurven.

Fahren Sie auf einer Piste, auf der Sie ungestört carven können, etwas in der Hocke und mit ausreichend Druck auf den Vorderskiern. Strecken Sie die linke Hand seitlich nach hinten. Die Handfläche ist in der Verlängerung des Arms und schaut leicht nach hinten. Führen Sie die Hand mit der vorderen Handkante voraus von hinten ans Bein heran, am Skischuh vorbei und dann wieder nach aussen, als würden Sie mit den Fingerspitzen einen Halbmond in den Boden zeichnen. Geben Sie so viel Spannung in die Hand und die Fingerspitzen, dass Körper und Skier in die Drehung nach links mitgenommen werden und eine Linkskurve einleiten. Das fühlt sich an, als würden Sie die Skier mit der Hand um die Kurve führen.

Wenn die führende Hand vorne angekommen ist, behält sie die Spannung in der Handfläche bei und steuert weiterhin die Skier. Währenddessen holen Sie mit der rechten Hand nach hinten aus und beginnen mit dem Halbmond auf dieser Seite.

Sobald der rechte Arm von hinten an die Skier herankommt und die Führung übernimmt, schwenkt der vordere linke Arm locker nach hinten und wartet auf seinen Einsatz beim nächsten Kurvenwechsel.

Das "Halbmond-S" entwickelt seine Kraft durch den von der Hand entlang der Kanten der Skier gezogenen Halbbogen, der eigentlich der untere Abschnitt einer "S"-Gebärde ist. Sie bleiben die ganze Zeit tief in der Hocke in Bodennähe, und selbst beim Kurvenwechsel gehen die Hände nicht nach oben. Auf diese Weise kommen Sie in ein sehr kraftvolles Carven, das Sie mit Ihren Händen führen.

Das "tiefe S"
Sie können tief in der Hocke aber auch ein ganzes "S" machen, das nicht über die Schulterhöhe steigt, und so die Skier führen. Geben Sie sich etwas Zeit, bis Sie den Ablauf durchschaut haben. Dann werden Sie alle Teile der Acht wiedererkennen, die ich Ihnen beim "hohen S" beschrieben habe - nur etwas zusammengedrückt und der Aufgabe angepasst.

Fahren Sie auf einer gut zum Carven geeigneten Piste, nicht ganz so tief in der Hocke wie beim "Halbmond-S". Steigen Sie mit dem rechten Arm seitlich nach oben und schwenken Sie ihn locker ausgestreckt auf Schulterhöhe nach vorne. Die Handfläche schaut nach unten und ist kaum gespannt. Sobald die Hand nach vorne kommt, geben Sie langsam mehr Spannung in die Handfläche und führen den Arm in einen absteigenden Bogen. Die vordere Handkante geht dabei nach unten und die Handfläche schaut zur Seite. Verstärken Sie die Spannung in der Hand, krümmen Sie den absteigenden Bogen noch etwas mehr und führen Sie die Hand auf Beckenhöhe wieder hinter den Körper und nach aussen. Die Handfläche schaut jetzt fast nach oben. Hinten führen Sie die Hand in einem Halbbogen nach unten und von hinten an die Skier heran. Jetzt sind sie in der Position, wo wir mit dem Halbmond-S" eingesetzt haben. Haben Sie es gemerkt? Die bis jetzt beschriebene Bewegung war ein halbes "S" nach unten.

Jetzt vollenden Sie den begonnenen Halbmondweg, ziehen mit der Hand nah am Ski nach vorne, beschreiben mit scharf gespannter Handfläche einen Bogen nach rechts und steuern damit die Skier eine Rechtskurve. Vorne angekommen, steigt die Hand sofort nach aussen weiter und wendet sich mit Handkante voraus und nach oben weisender Handfläche nach hinten. Von dort steigt sie in einem Halbbogen bis auf Schulterhöhe, wo sie mit nach unten weisender Handfläche in der Anfangsposition für das nächste "S" ankommt.

Beim Weg nach unten intensiviert sich die Spannung der Hand, um auf dem Weg nach vorne die Skier kräftig führen zu können. Auf dem Weg nach oben löst sich die Spannung und die Arme finden ihren Weg fast von allein. Das ist auch gut so. Denn während die rechte Hand locker in einem halben "S" nach oben zur neuen Anfangsposition zurückschwingt, hat die linke Hand ihren Einsatz, macht das "tiefe S" auf ihrer Seite und führt die Skier in die Linkskurve.

Das "tiefe S" hat mehr Atem als das relativ kompromisslose, zielorientierte "Halbmond-S". Es wirkt herzlicher und spielerischer. Das liegt daran, dass Sie mehr im Fluss sind und zwischendurch immer wieder locker lassen können. Die Bewegung ist vielseitiger, die Hände spannen und lösen sich im Wechsel und die Arme steigen zwischendurch immer wieder wie zum Luftholen nach oben.

Skifahren mit den Händen
Normalerweise fährt man Ski mit den Beinen, dem Körpergewicht und dem Rhythmus. Mit den Händen zu fahren, ist dagegen etwas ganz anderes. Beim "Halbmond S" und beim "tiefen S" sind die Oberschenkel fast horizontal, der Oberkörper hat Vorlage und die Hände ziehen tief am Boden entlang. Die Haltung erinnert an Bilder aus dem Eisschnelllauf.

Aber die Hände führen die Skier nicht direkt. Es gibt keine direkte, materielle Verbindung zwischen Hand und Ski. Es ist der Körper, der die Bewegung von Arm und Hand in die Beherrschung der Skier überträgt. Wenn die entsprechende Körperspannung fehlt und das "S" im Innern nicht reagiert, können Ihre Arme machen, was Sie wollen. Das Fahren steuern sie nicht!

Erleben Sie beim Kurvenziehen mit dem "tiefen S" oder dem "Halbmond-S" auch diese kompromisslose Entschlossenheit und Zielgerichtetheit im Körper wie ich? Etwas Enges, das fasziniert? - Buckel, Löcher, Pfosten sind willkommen, um möglichst knapp und mit Geschick umfahren zu werden. Alles andere ist Störung!

Das "S" im Schuss
Wenn Sie sehen, dass am Ende eines Streckenabschnitts die Piste ein Stück aufwärts geht, oder wenn Sie Schwung für eine lange, flache Ziehstrecke brauchen, dann nehmen Sie dafür erstmal Tempo auf. Sie fahren Schuss.

So gerne Ihre Carving-Skier ein "S" nach dem anderen auf die Piste zeichnen - wenn Sie in die Schussfahrt wechseln, erleben Sie einen starken Kontrast. Statt in der Spur zu bleiben, wie wir das vom Kurvenfahren gewohnt sind, rutschen sie ohne Führung auseinander, verlieren die Richtung und drohen bei zunehmendem Tempo auszubrechen. Wenn es nur geradeaus geht, wollen sie - anders als in der Kurve - gerade nicht in der Spur bleiben.

Treu und stur geradeaus? Das wäre die Sache des "U", der langen, schmalen Skier, wie man sie früher hatte. Dem "S" ist das zu langweilig, es sinnt auf Unsinn und lässt die Skier im unpassendsten Moment zur Seite weglaufen - es provoziert den Sturz.

Wie können Sie nun Ihren Carving-Skiern so entgegenkommen, dass auch diese geradeaus fahren? Ganz einfach: Bauen Sie ganz leichte, für den Beobachter kaum merkbare Bögen in die Schussfahrt ein. Dann stehen Sie minimal auf den Kanten, das "S" ist zufrieden und die Skier gleiten auch bei hohem Tempo stabil dahin.

Das "Verfolger-S"
Jeder Detektiv, der jemand observiert, aktiviert in seinem Körpergefühl das "S". Jede Veränderung wird mit scharfem Blick verfolgt, um sie unmittelbar in eine Bewegung umzusetzen: sich hinter einem Baumstamm verbergen, dem Zielobjekt hinterherschleichen, sich ducken, sich leise zurückziehen, sich mucksmäuschenstill verhalten, unschuldig woanders hinschauen usw.

Ja, das "S" ist der Verfolger-Laut - probieren Sie es aus! Am meisten Spass macht es, wenn Sie hinter jemand herfahren, der intensiv am Carven ist und selbst das "tiefe S" oder das "Halbmond-S" einsetzt. Sie bleiben genau in der Spur des Vorausfahrenden, tauchen mit Ihrem Bewegungsgefühl ganz in die Fahrdynamik des Vorausfahrenden ein und holen daraus die Vorgaben für die Kraftverteilung und das Timing Ihrer eigenen "S"-Energie. Das hat eine starke Steigerung des "S"-Gefühls zur Folge - das "S" wird ein "Doppel-S".

Das "Verfolger-S" ist ausschliesslich für sehr gute Skifahrer geeignet. Der Verfolgte weiss selbstverständlich Bescheid und beide Fahrer müssen jederzeit adäquat reagieren können. Um in die "S"-Stimmung zu kommen, fahren Sie nämlich in sehr geringem Abstand, scharf auf der Kante und genau in derselben Spur hintereinander her. Das Tempo und den Abstand zum Vorausfahrenden steuern Sie mit feinsten Mitteln. Schon das geringste Bremsen würde das "S"-Gefühl und damit den Spass an der Verfolgung beenden. Fahren Sie so, dass Sie jederzeit ausweichen können und auch in unvorhergesehenen Situationen die Sicherheit für alle gewährleistet ist!

Slalom
Haben Sie schon mal einer Schlange zugeschaut, wie sie sich zügig und zielstrebig vorwärtsbewegt? Sie sehen eine S-Linie, die fast unbeweglich am selben Ort bleibt und sich nicht verändert. Entlang dieser Linie gleitet wie von Geisterhand die Schlange, angelehnt an immer neue kleine Steine oder andere Fixpunkte, an denen sie sich entlangschiebt.

Was für die Schlange die Steine sind, sind für den Slalomfahrer die Stangen. Linksherum, rechtsherum, linksherum, rechtsherum. Jeder Bogen geht sofort in den nächsten über. Der Fahrer sucht einen Rhythmus, bei dem Innen und Aussen übereinstimmen, um mit möglichst wenig Verlust zwischen den Stangen hindurchzukommen.

Dabei geht es nicht nur um den äusserlich sichtbaren Rhythmus. Es geht darum, drin zu bleiben, dran zu bleiben und keinen Moment loszulassen. Es geht um innere Ruhe und Kontrolle.

Slalomskier sind für "S" optimiert. Sie sind eng tailliert, torsionsfest und zugleich biegsam, damit sie sich in den engen Radius der Kurven hineinbiegen und eisern in der Spur bleiben können. Slalom ist "S"-Kraft pur.

Carven oder "Schi"-Fahren?
Beim Carven schieben wir den Schnee nicht zur Seite. Wir verdichten den Schnee in der Spur und hinterlassen einen scharfen Abdruck der Kanten. Wenn wir es nicht so genau nehmen, drücken wir die Knie nicht so tief hinunter, verwischen mit den Enden der Skier die Spur, wirbeln Schnee auf und das Geräusch der Skier bekommt etwas Beschwingtes: "sch - sch - sch". Das ist der Übergang zum Skifahren mit "Flügeln", zum "Sch".

Das "Sch" ist viel lockerer und grosszügiger als das "S". Es mag den Pulverschnee und den Staub, den es aufwirbelt. Es ist vollkommen anders als das "S", das reine Gegenteil!

Das System der Laute
Haben wir am Anfang des Kapitels nicht gesagt, das Gegenprinzip zum "S" sei das "R"? Jetzt soll es das "Sch" sein? Gibt es mehr als ein Gegenteil?

Ja, das gibt es. Die Laute der Eurythmie sind nämlich so definiert, dass im Prinzip jeder Laut grundsätzlich anders ist als alle anderen. Ähnlich wie Licht und Schwere, die auch nichts miteinander zu tun haben.

Auch der Tierkreis mit seinen Zeichen und Planeten ist ein System von vollständig verschiedenen, gegensätzlichen Elementen. Diese Elemente sind so definiert, dass sie zusammen ein Ganzes bilden, genau wie die eurythmischen Laute. Das ist der Grund, warum man die Laute und den Tierkreis gewinnbringend zueinander in Beziehung setzen kann.

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