Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «M» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Die auf- und abströmende Bewegung als Vorstufe des "M"
Bei den Grundlagen wird "Aufströmen - Abströmen" als eine Vorstufe des "M" beschrieben. Die Hände sind intensiv am Entstehen des Strömens beteiligt und der Gegenstrom tritt, fast wie ein Spiegelbild, in sehr ähnlicher Form und Wirkung auf.

Sie können diese Übung variieren, indem Sie mit einem Arm unten, mit dem anderen oben anfangen und die Arme gegensinnig auf und ab bewegen. Ihre Hände führen zwei polare Ströme aufeinander zu, Strom und Gegenstrom durchdringen sich. Wenn die Hände sich begegnen, wird im ganzen Körper eine Verdichtung spürbar, die sich mit zunehmendem Abstand der Hände wieder löst.

Die horizontale Gebärde des "M"
Für die Grundgebärde des "M" kippen Sie den soeben beschriebenen Ablauf um 90 Grad nach vorne. Die eine Hand strömt jetzt nicht von oben nach unten, sondern vom Schlüsselbein aus nach vorne. Die Handfläche schaut nach vorne, die Fingerspitzen zeigen aufwärts. Die andere Hand strömt nicht von unten nach oben, sondern von aussen hin zum Schlüsselbein. Die Handfläche schaut zum Körper, die Fingerspitzen sind wie bei der anderen Hand nach oben gerichtet. Beide Hände machen ihren Weg gleichzeitig. In der Endstellung entspannen Sie die Hände und wenden sie so, dass jede Hand - Handfläche voraus, Finger nach oben - ihren Rückweg machen kann.

Vorher hatten wir ein gegensinniges Auf- und Abströmen der Hände, jetzt ist es ein gegensinniges Strömen mit den Händen auf Herzhöhe nach vorne und zurück. Die beiden Hände bewegen sich aufeinander zu, verdichten den Strom in der Mitte und strömen dann weiter hinaus und herein. Achten Sie darauf, dass die Gebärde nicht so wirkt, als würden Sie mit den Händen etwas von sich wegschieben oder zu sich heranziehen. Die Hände sollten sich eher wie durch eine dickflüssige, zähe Masse hindurch bewegen und sie kneten und formen.

Vermeiden Sie, dass die Schultern mit der Bewegung der Hände mitgehen. Das ergäbe eine Art Paddeln und entspräche gerade nicht dem "M". Machen Sie die Bewegung der nach vorne gehenden Hand langsam, aber so intensiv, dass die Schulter vom Gegenstrom sogar nach hinten gebracht wird. Holen Sie die andere Hand so herein, dass das Schlüsselbein ihr wie von alleine entgegenkommt. So ausgeführt ist die Bewegung in Harmonie und wirkt hinunter bis in die Füsse. Die Beine bewegen sich ein bisschen mit, und die Waden können sich anfühlen, als würden sie warm und luftig durchströmt.

Das "M" gehört - auch wenn man das nicht auf den ersten Blick sieht - zu den Lauten, die eine Hülle bilden. Führen Sie die Hände deshalb nicht so weit hinaus, bis die Arme gestreckt sind. Es reicht völlig aus, wenn die Hände bereits umdrehen, solange die Arme noch gebeugt sind. Am besten drehen Sie um, bevor zwei Drittel der möglichen Streckung erreicht sind. Sie bleiben dann viel stärker mit sich selbst verbunden.

Der Laut der Mitte
Das "M" ist die Mutter aller Gegenströme, zielt überall auf den Ausgleich von Gegensätzen, sorgt für Harmonie und Ruhe. Es geht um Eintauchen, Drinbleiben und Verbundensein. Die hinaus- und hereingehenden Hände sind ein Symbol für die umfassende Totalität: So wie etwas hinausgeht, kommt auch etwas herein.

Fahren mit "M"
Wenn Sie mit dem "M" fahren, fühlen Sie sich verbunden und werden eins - mit dem Hang, der Piste, den Skiern und mit sich selbst. Egal ob Sie auf breiten Wegen geradeaus fahren, eine Piste queren oder in leichten Bögen dahinziehen.

Vordergründig sind Sie ganz mit der einfach aussehenden Gebärde des "M" beschäftigt. Aber in Wirklichkeit tauchen Sie ein. Die Arme und Hände bewegen sich parallel zu den Skiern und fast fühlt es sich an, als wären die Hände die eigentlichen Skier, oder zumindest ein Teil von ihnen.

Probieren Sie aus, welche Ausführung der "M"-Gebärde für Sie am besten passt. Normalerweise hat eine langsame und intensive Bewegung der Arme eine stärkere Wirkung. Aber das muss nicht immer so sein. Auch die Höhe des "M" können Sie variieren. Ich empfehle Ihnen, das "M" etwas tiefer zu machen als direkt auf Herzhöhe.

Intensität schafft Ruhe
Normalerweise beherrscht man seine Skier, indem man sie direkt und mit Körperkraft steuert. Das besondere beim "M" ist, dass man die Kraft dafür in seiner Mitte erzeugt und das Fahren von dort aus führt. Sobald man das "M" langsam und intensiv ausführt, entsteht im ganzen Körper ein Gefühl von Ruhe und Kraft, das sich auf die Skier überträgt.

Ab und zu haben uns Menschen beim "M"-Fahren zugeschaut und zueinander gesagt: "Der macht Tai-Chi!". Damit meinen sie vor allem die Intensität des "M", die beim Fahren Führungskraft und Ruhe erzeugt. Bei einem locker ausgeführten "M" würden die Zuschauer das nicht sagen. Sie sagen das nur, wenn sie das Gefühl haben, da schiebt jemand Energie.

Damit das möglich wird, dürfen Sie nicht über das Tempo hinausgehen, bei dem Sie sich noch sicher fühlen. Denn das "M" lässt sich nicht wie das "L" erkämpfen.

Kreuzen von Hängen mit "M"
Das "M" mag lange Strecken quer über einen breiten Hang. Das ist, als würde man mit dem Boden verschmelzen. Sie spüren die Verbindung zu den Kanten und wie diese verhindern, dass Sie den Hang hinunterrutschen. Eventuell geht es Ihnen wie mir und Sie erleben das Kantengefühl und das Verbundensein mit dem Boden nicht nur unten in den Füssen, sondern vor allem in Ihrer Mitte.

Beim "I" können Sie beim Kreuzen von steilen Pisten Aspekte seiner egoistischen Natur erleben. Wenn Sie dasselbe mit "M" machen, erleben Sie Verbundenheit, Dialog und Andacht.

Kurven
"M" ist der Laut der Sympathie, und Kurven sind eigentlich antipathische Gesten. Man baut Druck auf, schneidet mit den Kanten in den Schnee, dreht ab, wirbelt Staub auf. Kein Wunder, dass manche Kursteilnehmer das "M" in den Kurven nicht mögen und zum Beispiel ein enges Gefühl im Brustbereich bekommen.

Für andere ist es wunderbar, die gegensinnige "M"-Gebärde mit dem Kurvenfahren zu kombinieren. Wenn die Kurvenrichtung wechselt, wechseln auch die Arme ihre Richtung, und wenn die Skier in der Kurvenmitte die höchste Kompression im Körper erzeugen, sind auch die Hände in der Mitte und bauen den Druck zwischen Strom und Gegenstrom auf.

Trauen Sie sich mit dem "M" auch auf die steilen Pisten. Die Bögen werden gross und ruhig, und es macht Spass, die Armgebärden und Skier bei immer höheren Geschwindigkeiten aufeinander abzustimmen und miteinander zu verbinden.

Das "M" mit der Natur
Das "M" eignet sich hervorragend dafür, mit der Natur, die Sie umgibt, in Kontakt zu treten und sich mit ihr verbunden zu fühlen. Mit der Hand, die vom Herzen nach vorne geht, geht zugleich ein Gefühlsstrom vom Herzen nach aussen. Mit der Hand, die Sie von aussen hereinholen, empfinden Sie einen auf Sie zukommenden Strom, der Sie im Herzen berührt.


Das ist gar nicht so spektakulär und mystisch, wie es sich vielleicht anhört. Sie fahren zum Beispiel eine Piste entlang, die Ihnen liegt, und die Landschaft auf der anderen Seite gefällt Ihnen. Sie spüren sich selbst und die Piste, auf der Sie fahren, und schauen gleichzeitig auf das Panorama, ohne Einzelheiten davon zu fixieren. Dazu bewegen Sie dieses ruhige "M", das zwischen Ihrer Mitte und dem Naturerlebnis hin und her geht. So einfach!

Das gleichsinnige, parallele "M"
Beim parallelen "M" weisen beide Hände in dieselbe Richtung und bewegen sich gemeinsam vom Herzen nach vorne und zurück. Die Handflächen zeigen in die Richtung der Bewegung und die Fingerspitzen nach oben. Auf dem Weg nach aussen werden die Schultern durch den Gegenstrom zurückbewegt. Wenn die Arme zu etwa zwei Dritteln gestreckt sind, entspannen und drehen Sie die Hände. Beim Hereinholen der Hände kommen die Schlüsselbeine diesen leicht entgegen.

Wenn Sie die horizontale "M"-Bewegung in der Natur probieren, sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht zuerst einen Strom von aussen nach innen erzeugen und erst danach einen Strom von Ihrer Mitte nach aussen. Das wäre nur ein halbes "M". Versuchen Sie, beim Hereinnehmen der Arme einen Gegenprozess zu erzeugen, der Sie mit dem Körpergefühl bis zum Berg gegenüber kommen lässt. Ein super Gefühl!

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