Eurythmie auf Skiern - Kombinationen 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Kombinationen von Lautgebärden

Bei den Beschreibungen der Gebärden wurden für jeden Buchstaben verschiedene Ausführungen vorgestellt und erläutert. Dabei haben Sie gesehen, dass jeder Laut ein ganzes Spektrum von Bewegungen umfasst.

Ich möchte Sie anregen, auf die Suche nach Entsprechungen und Unterschieden zu gehen. Auf diese Weise entdecken Sie das eine oder andere Prinzip, das Sie sonst übersehen hätten, und vertiefen so Ihr Verständnis für die Laute. Manchmal haben zwei verschiedene Laute an der einen oder anderen Stelle fast gleich aussehende Bewegungen. Findet an dieser Stelle aber auch das Gleiche statt? Was macht den Unterschied aus? Wenn Sie dem nachgehen, wird es richtig spannend.

Bestimmte Eigenschaften von Buchstaben fallen aber erst auf, wenn man sie zueinander in Beziehung setzt. Wie reagiert der eine Laut auf den anderen? Was geschieht bei einer Folge von Lauten? Wenn Sie damit experimentieren, sind Sie auf einer anderen Ebene unterwegs als beim Erproben einzelner Buchstaben. Es ist ein innerer Dialog, der auf der Ebene des Körpergefühls ohne unmittelbare Auswirkung auf Ihre Fahrtechnik stattfindet.

Finden Sie Kombinationen von Buchstaben, die eine schöne oder interessante Wirkung haben. In diesem Abschnitt finden Sie einige Beispiele, von denen die meisten im Video Kombinationen demonstriert werden.

S und H
"S" und "H" sind Polaritäten. Das "S" wirkt stark nach unten in die Materie, das "H" zieht in die Leichte. Wenn Sie Lust haben, bringen Sie die beiden Buchstaben in einen humorvollen Diskurs.

Fahren Sie dazu zuerst einige Bögen mit dem "S". Wechseln Sie dann für mehrere Bögen ins "H" und spüren Sie, wie anders sich das anfühlt. Wenn Sie dann wieder ins "S" wechseln, können Sie sich vorstellen, dass das "H", das Sie eben gemacht haben, noch nicht ganz verschwunden ist und Ihnen beim "S"-Machen zuschaut. Versuchen Sie, während Sie das "S" machen, zu "hören", was das "H" dazu sagt. Und wenn Sie dann wieder ins "H" wechseln, spüren Sie gleichzeitig ein bisschen, was das "S" davon hält und wie das "H" sich davon gar nicht berühren lässt.

S - M und H - M
Fahren Sie einige Bögen, bei denen Sie die Skier mit kräftigen "S" entschieden führen. Dann schliessen Sie einige ruhige Bögen mit "M" an. Damit löschen Sie das "S" nicht aus, aber Sie beruhigen das Ganze in der Mitte.

Machen Sie eine Zeitlang "H" und holen Sie dann dieses Abgehobensein mit einigen Kurven, die Sie mit mehreren ruhigen, aber kräftigen "M" fahren, herunter in die Mitte.

S - H - M
Fahren Sie einige Bögen mit "S" und lassen Sie den Buchstaben bis hinunter in Ihre Skier wirken. Dann fahren Sie als Gegensatz dazu ein paar Bögen mit dem "H", dem Prinzip der Leichtheit. Direkt danach schliessen Sie das "M" an und fahren noch ein paar Kurven damit. Während Sie das "M" machen, halten Sie in Ihrem Körpergefühl die Erinnerung an die beiden vorher ausgeführten Buchstaben aufrecht.

Wenn Sie vorher "S" und "H" gemacht haben, erleben Sie das "Mmmm" danach anders, als wenn Sie davor nur einen der beiden Buchstaben gemacht haben. Sie kommen in Ihre Mitte, der Fluss wird ruhig. Das besonnene "M" zeigt, dass es auch machtvoll sein und Extreme verbinden kann - und das macht Spass.

Versuchen Sie auch mal die Kombination "H"-"S"-"M". Was ist der Unterschied, wenn erst die Leichtigkeit des "H" wirkt und dann die Kompromisslosigkeit des "S" folgt, bevor das "M" wieder in die Mitte führt?

L - H - B
Sie können Buchstaben auch ineinander übergehen lassen. Dann beschreiben Sie eine Art Weg zwischen ihnen. Nutzen Sie zum Beispiel die Eigenschaft des "L", Tiefes nach oben zu holen, lassen Sie die Gebärde mit dem "H" weiter nach oben, ins Leichte steigen und fassen Sie dann das Ganze mit dem "B" zusammen.

R - S - I
Wie wäre es damit, einmal Konsonanten in einen Vokal übergehen zu lassen? Nehmen Sie zum Beispiel einen sehr dynamischen Laut wie das "R" und lassen Sie diesen nach kurzer Zeit in ein "S" übergehen, das noch tiefer nach unten wirkt. Dann konzentrieren Sie sich auf Ihr Zentrum, verstärken Ihre Energiesäule und richten sich von innen her auf. Während Sie sich aufrichten, verwandeln Sie das "S" in eine "I"-Gebärde und fahren mit dieser weiter. Auf diese Weise experimentieren Sie mit dem Übergang vom dynamischen Prinzip (Konsonanten) zum von innen heraus gestaltenden Prinzip (Vokale).

T - A - O
Eine besonders bedeutungsvolle und umfassende Lautfolge ist "TAO", ein uraltes Wort der chinesischen Philosophie und Religion. Wir werden dieses Wort jetzt nicht meditieren, aber versuchen, es inhaltsvoll zu bewegen.

Bereiten Sie die "TAO"-Gebärde vor, indem Sie ein "grosses T" bilden, bis die Fingerspitzen fast den Kopf erreichen. Bringen Sie die Gebärde aber nicht ganz zu Ende, sondern betrachten Sie diese als Vorbereitung für das, was kommt.

Beginnen Sie das "T" des "TAO" mit einem sanften Impuls aus Ihrem Herzen, der die Hände und Finger auf demselben Weg, auf dem sie gekommen sind, nach oben trägt und die Gebärde der Arme nach oben öffnet. Führen Sie die Gebärde über in ein empfangendes "A" mit nach oben gestreckten Armen und Händen. Weil Sie die Arme vom Herzen her durchstrahlen, haben Sie einen guten Kontakt nach unten, stehen aufrecht und sind zentriert in Ihrer Mitte.

Lassen Sie die Arme weiterhin gestreckt in der "A"-Gebärde und schwenken Sie die Arme unter Beibehaltung des "A"-Winkels langsam in einem Bogen nach unten, bis das "A" links und rechts neben Ihrem Körper zur Erde zeigt. Bleiben Sie aufrecht, durchstrahlen Sie Ihre Arme vom Herzen her und verbinden Sie sich mit der Erde unter Ihnen.

Gehen Sie mit dem "A" innerlich weit hinunter, bevor Sie loslassen und das "O" einleiten. Manchmal erlebt man dann eine Kraft, die den Körper von unten her erfüllt und aufrichtet. Dieser Strom steigt bis zur Mitte auf und breitet sich vom Herzen nach vorne aus. Wenn dieser Strom beim Übergang vom nach unten gerichteten "A" zum horizontalen "O" auftritt, darf er ruhig die Arme mitnehmen und Ihnen zu einem erfüllten "O" in Ihrer Mitte verhelfen.

Am Ende stehen Sie so aufrecht wie am Anfang, als Sie die "T"-Gebärde ausgeführt haben, und behalten die "O"-Gebärde noch eine kurze Zeit bei. Durch das "T" und das obere "A" waren Sie mit dem Raum über sich verbunden. Durch das untere "A" und das Aufsteigen von unten haben Sie sich mit dem Raum unter sich verbunden. Erinnern Sie sich an beides mit Ihrem Körpergefühl und spüren Sie beide in Ihrem "O", bevor Sie die Gebärde loslassen und das "TAO" beenden.

Variationen
Wenn der kraftvolle, erfüllende Aufstrom ausbleibt, nehmen Sie die "O"-Gebärde zu Hilfe, um Energie von unten in Ihr "O" aufzunehmen. Sie brauchen nur die Arme und sich selbst gut zu spüren und sich weiterhin mit der Erde verbunden zu fühlen. Dann bringen die Arme - während Sie das "A" in die umfassende "O"-Gebärde überleiten - Energie von unten mit und machen Ihr "O" stark und kräftig.

Sie könnten den Übergang vom nach oben offenen "A" zum nach unten offenen "A" auch so machen, dass Sie Ihre Arme wie zwei Flügel seitlich abströmen lassen.

Oder Sie gestalten den Ablauf der Gebärden so, dass der Übergang vom "A" zum "O" bereits auf dem Weg nach unten stattfindet und Sie das "O" unten bis an den Körper heranführen. Vielleicht gelingt es Ihnen, das "O" so gross und intensiv zu erleben, dass es sich anfühlt, als würden Sie damit nicht nur den unteren Menschen, sondern die ganze Erde umarmen.

Es gibt viele Möglichkeiten, das "TAO" mit Eurythmie zu gestalten. Finden Sie Ihre eigenen Varianten! Kreieren Sie mit den Gebärden einen inhaltsvollen Ablauf: Einen Prozess, der eine Bedeutung hat, eine Geschichte, die Ihnen etwas sagen möchte - eurythmisch gesprochen: ein "Wort".

Eine Bewegungsmeditation auf einer auch von anderen befahrenen Piste? Mit Skiern, die auch gerne mal Unsinn machen? Mit einem Fahrer, der eigentlich nicht zum Meditieren unterwegs ist, sondern um Freude zu haben?

Ja, das ist möglich. Sogar sehr gut!

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