Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «H» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben


"H" mit den Schultern
In der einfachsten Form ist das "H" ein Ruck mit den Schulterblättern nach hinten oben, dem man mit dem Körpergefühl folgt. Der Körper fühlt sich leichter an und steigt ein bisschen mit. Nach dem Ruck spüren Sie mit den Schulterblättern und dem Rücken weiterhin in den hinteren Raum hinein und lassen das wohltuende Gefühl, das dabei entsteht, langsam von oben nach unten strömen. Das machen Sie, ohne das Gefühl für die Höhe zu verlieren, das durch den leichten Ruck nach oben am Anfang entstanden ist. Der Rücken und die Schultern bleiben trotz des Abströmens leicht und beweglich, den Körper zieht es nicht mit hinunter, er spürt den inneren Aufstrom und bleibt aufrecht.

So ausgeführt ist das "H" eine kleine, fast unscheinbare Bewegung. Sie unterscheidet sich äusserlich fast nicht vom Schulterkreisen, das jeder von uns ab und zu macht, um Verspannungen im Nacken zu lösen. Bei der eurythmischen Ausführung des "H" wird diese Bewegung von einem Körpergefühl geführt, das von innen kommt, in ein Strömen übergeht und Gegenströme auslöst. Das "H" dehnt aus, löst, was verklebt ist, und lockert, was fest ist. Es schafft Raum, in den Luft und Licht einströmen und ihre Wirkung entfalten können.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie das "H" mit den Schultern ausführen? Fühlen sich die Muskeln danach weicher und leichter an?

Im Alltag kennen wir das "H" vom Lachen. Ein ehrliches Lachen kann so befreiend sein! Beim Lächeln wirkt das "H" auf Zellebene: Es kommt mir etwas in den Sinn, worüber ich mich freue. Die Mundwinkel heben sich, ich fühle mich leicht, Falten glätten sich oder treten zumindest in den Hintergrund.

Beim "H" können Sie die Beziehung der Oberschenkel zum Schultergürtel gut überprüfen. Beginnen Sie das "H", indem Sie die Oberschenkel leicht anspannen und von dort einen Energieschub nach oben auslösen. Den können Sie in den Schulterblättern auffangen und im "H" mitwirken lassen. Machen Sie danach das "H" ohne Oberschenkeleinsatz, nur aus den Schultern. Stimmen Sie mir zu, dass jetzt etwas fehlt?

Könnte man den Oberschenkel nicht genauso gut durch einen anderen Körperteil ersetzen, fragen Sie sich. Versuchen Sie es doch mal mit den Waden oder dem Bauch oder dem Brustkorb.

"H" mit den Armen
Stellen Sie sich entspannt hin - die Füsse in Schulterbreite oder schmaler - und verteilen Sie das Körpergewicht gleichmässig auf beide Beine. Für den Anfang ist es hilfreich, mit den Händen so zu beginnen, dass die Handflächen zu den Schlüsselbeinen schauen. Dort können sie den Aufstrom des "H" am besten aufgreifen.

Lösen Sie durch einen leichten Impuls in den Oberschenkeln den inneren Energiefluss aus und lenken Sie ihn mit den Schulterblättern und Schlüsselbeinen weiter nach oben. Spüren Sie, wie wir das schon mehrfach geübt haben, in den Aufstrom hinein, und lassen Sie die Hände mitsteigen. Wenn die Hände auf halbem Weg nicht mehr weiter wollen, können Sie durch leichtes Verschieben der Anspannung im Körper den Auftrieb etwas verstärken.

Den grössten Einfluss aber haben die Arme selbst. Durch eine leichte Spannung, eine feine Wahrnehmung und Ihre Absicht, die Arme steigen zu lassen, können Sie den Sog nach oben jederzeit verstärken. Wichtig ist nur, dass sich die Arme in dem Strom, den Sie verstärkt haben, weiterbewegen und nicht ihr eigenes Ding machen. Oben angekommen, sollten sich die Finger in einer öffnenden Geste nach oben strecken und die mitgebrachte Energie in den Raum über Ihnen abgeben.

Lauschen im leeren Raum
Lassen Sie den Aufstrom mit Hilfe der Arme und Hände wirklich nach oben los. Bleiben Sie leicht und lauschen Sie mit Ihrem Körpergefühl und den Armen in einen unbestimmten, vom "H" eröffneten Raum hoch über dem Kopf. Warten Sie, bis der Strom nach oben sich langsam auflöst und ein Rückstrom von weit oben herunter entsteht - so ähnlich, wie wenn man über etwas erstaunt ist, eine Zeit den Atem anhält und dann entspannt ausatmet. Was von oben zurückkommt, ist noch leichter und subtiler als das, was vorher hinaufgeströmt ist.

Abströmen und loslassen
Das Abströmen ist ein Erlebnis, das Sie mit dem hinteren Raum verbindet. Behalten Sie die Orientierung nach hinten, lassen Sie die Arme auf achtsame Art langsam links und rechts vom Körper sinken und geniessen Sie das Abströmen. Achten Sie darauf, dass Sie sich selbst und Ihren Körper spüren. Dann strömen Sie äusserlich ab, aber von innen, von unten her richtet es Sie auf. Dann besteht auch keine Gefahr, dass Sie zu sehr mit dem Abstrom mitgehen und im Rücken abknicken.

Öffnen Sie zum Schluss Ihre Hände und Fingerspitzen nach unten. Lassen Sie wirklich los. Beginnen Sie das nächste "H" bei den Schlüsselbeinen, ohne Reste des vorherigen Abstroms mit hochzubringen.

Das "H" spielt auf seine Weise mit der Polarität von Schwere und Leichtigkeit. Es steigt mit Leichtigkeit in die Höhe und alles Schwere lässt es an sich abgleiten. Sorgen kennt das "H" nicht, aber auch keine Fürsorge.

Zwei Hinweise zur Fussstellung und zu den Augen
Sie können den Auftrieb besser erzeugen, wenn beide Füsse relativ nahe beieinander stehen. Das hat mit dem Bezug des "H" zu den vom Lichtdreieck symbolisierten Kräften zu tun. Wenn Sie das "H" mit extra breit auseinandergestellten Beinen machen, werden Sie wahrscheinlich erstaunt sein, dass das fast nicht möglich ist.

Steigen Sie innerlich nach oben und gehen Sie nicht äusserlich mit den Augen mit. Auch wenn Sie beim Loslassen den Abstrom im Rücken spüren, ist der Blick locker geradeaus gerichtet.

Das "H" auf der Piste
Egal wie Sie das "H" machen - nur mit den Schultern, mit den Oberarmen oder mit dem ganzen Arm - das "H" hat die Kurven gerne. Das Aufsteigen ist das Entlasten vor dem Bogen, das Lauschen im leeren Raum gehört zum Einleiten der Kurve und das Herunterströmen passt wunderbar, um damit durch die Kurve zu ziehen.

Sie können mit dem "H" genauso gut ruhige Bögen ziehen und schnelle Kurzschwünge machen. Das funktioniert sowohl im flachen als auch im steilen Gelände, auf ebenen wie auf buckligen Pisten. Hauptsache, Sie wollen nicht geradeaus! Dazu hat das "H" wenig Beziehung, das findet es schwerfällig und langweilig.

Nehmen Sie sich am Anfang Zeit, die Bögen langsam zu fahren und die "H"-Bewegungen gross und ruhig zu machen. Benutzen Sie die Flügel der Schulterblätter, damit der Körper leicht wird und die Arme in die Höhe steigen. Auf diese Weise wird der Kontakt nach unten zwar dünner, aber solange die Oberschenkel mitmachen, geht er nicht verloren.

Wenn Sie die Technik beherrschen und sich sicher fühlen, wird Ihnen das "H" auch auf steileren Pisten und leichten Buckeln viel Spass machen. Finden Sie einen Rhythmus, bei dem das "H" mit der Piste zusammengeht? Können Sie sich immer wieder neu ins Leichte heben und trotzdem den Kurs bestimmen? Machen Sie das "H" wirklich mit dem ganzen Körper oder wedeln Sie nur noch mit den Armen?

Für viele schnelle "H" hintereinander bleiben die Arme oben. Sie beginnen zwar mit dem Abströmen, aber bevor die Arme unten sind, kommt schon der nächste Impuls, der die Arme wieder hochträgt. Innerlich aber lassen Sie jedes Mal ganz los und gehen mit dem Gefühl hinunter bis zu den Skiern. Von dort geben Sie mit den Füssen, Oberschenkeln und zuletzt mit dem Schultergürtel immer wieder neue "H"-Impulse und verbreiten im ganzen Körper das Gefühl von Leichtigkeit.

Das "H" mit nach links und rechts ausgebreiteten Armen
Im Buch wird erklärt wie Sie die Arme mit der Kraft der Oberschenkel nach links und rechts bewegen können. Wenn Sie etwas mehr Impuls in die Oberschenkelaktivität geben, die Oberarmbewegung mit ein klein wenig Zeitverzögerung folgen lassen und mit dem Gefühl über die Armbewegung hinaus nach draussen gehen, bekommen Sie das "H" in der Horizontalen.

Beim Hineingehen in die Kurven nehmen Sie die Hände locker vor die Schlüsselbeine. In der zweiten Hälfte des Bogens drücken Sie sich mit den Oberschenkeln aus der Kurve heraus und benutzen deren Kraft, um die Arme locker nach links und rechts auszubreiten. Wenn Sie die nächste Kurve beginnen und die Arme wieder heranholen, sollten diese keinen Bogen über vorne machen, sondern direkt von links und rechts hereinkommen.

Die Bewegung der Arme soll mit den Oberschenkeln abgestimmt, weich und geschmeidig sein. Steuern Sie die Arme über den Krafteinsatz der Oberschenkel und weniger über die Hoch-Tief-Bewegung. Strecken Sie die Beine nicht ganz und bleiben Sie eher tief. Dadurch bekommt die Armbewegung einen guten Kontakt zum Boden und die Situation wirkt kontrolliert, selbst wenn man mit einer steilen oder hügeligen Piste zu kämpfen hat.

Mit diesem "H" erzeugen Sie eine wohltuende Balance zwischen Hinausgehen und Hereinkommen. Sie öffnen sich für die Umgebung und bleiben trotzdem bei sich.

Leichtsinn aus Leichtigkeit
Licht, Luft und Leichtigkeit sind herausragende Eigenschaften des "H". Pflicht, Arbeit und Gehorsam eher weniger. Wenn man schön brav dahinfährt und sein gelerntes "H" macht, fragt sich das "H" ziemlich bald, was das soll. Es fehlt ihm der Spass, der Nervenkitzel. Das "H" denkt an sich und wie es auf seine Kosten kommt, weniger an die anderen.

Darum erstaunt es nicht, wenn beim "H"-Üben Kursteilnehmer Verabredungen nicht einhalten. Wir haben uns an einem bestimmten Punkt verabredet, stehen in der Gruppe, winken und rufen - und die Person fährt mit "H"-"H"-"H" an uns vorbei, ohne es zu merken. Sie hat uns vergessen! Beim "H" habe ich das mehrmals erlebt. Bei anderen Buchstaben nie.

Tanzen mit dem "H"
Wer das "H" gut greifen und vom Oberschenkel und den Füssen aus steuern kann, dem macht es vielleicht Freude, das "H" auch auf herausfordernden Pisten einzusetzen und das Spiel mit diesem Buchstaben immer mehr zu steigern. Das gilt aber nur für sehr erfahrene Skifahrer, welche die Eurythmie auf Skiern sicher beherrschen, und ist nichts für Anfänger. Im Prinzip geht es darum, die Einseitigkeiten des "H" nicht zu vermeiden, sondern zu übertreiben und sogar Spass daran zu haben.

Das "H" wirkt sich stark auf das Körpergefühl aus, es macht leicht. Wenn Sie mit dem "H" unerwartet über eine Kuppe fahren, der Hang sich nach vorne zu neigen scheint, der Boden unter den Skiern sich dünner anfühlt und das Tempo sich beschleunigt, mag es Ihnen deshalb vorkommen, als zöge es Sie ein Stück aus dem Körper heraus. Sie verlieren den Kontakt zur Piste, die Skier entwickeln Eigendynamik und fangen an, sich nach links und rechts zu drehen, als würden Sie tanzen.

Wenn man diese Herausforderung aber gesucht hat und noch beherrschen kann, erzeugen das Leichtwerden und der geringer werdende Bodenkontakt keine Unsicherheit, sondern im Gegenteil: Sie fühlen sich aufgehoben in der Energie des "H", machen ein "H" nach dem anderen und haben trotz allem einen guten Kontakt zum Körper und zu den Skiern. Dann tanzen die Skier mit Ihnen - und Sie mit den Skiern.

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