Eurythmie auf Skiern - Der Vokal «E» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Die Grundgebärde des "E"
Die normale Ausführung des "E" in der Eurythmie ist eine Kreuzung der Arme vor dem Herzen. Sie entsteht aus einer Bewegung, die die Arme von links und rechts zusammenführt, im Kreuzungspunkt zusammenkommen lässt und auf der anderen Seite wieder hinausschickt.

Heben Sie zuerst die Hände links und rechts vom Körper auf Schulterhöhe. Die gestreckten Handflächen bilden eine Verlängerung der Unterarme, die Handteller sind flach und leicht gespannt. Das Zusammenführen und Kreuzen der Hände vor dem Herzen geht ähnlich wie beim "A" mit Hilfe des Brustkorbs und der Herzenergie, nur schicken Sie die Hände nicht hinaus, sondern führen sie von links und rechts herein. Durch Strecken des Rückens und Ausdehnung des Brustkorbs können Sie den dafür nötigen Gegenstrom relativ leicht erzeugen.

Danach folgt auch beim "E" der zweite Schritt: das Durchstrahlen der Gebärde vom Herzen aus. Erzeugen Sie im Herzbereich eine kräftige Ausstrahlung und finden Sie heraus, wie Sie die Unterarme und Hände so durchstrahlen können, dass es sogar die Finger streckt und Sie das Gefühl haben, die Wirkung geht noch ein Stück über die Hände hinaus. Wie Sie das machen können, obwohl die Ellenbogen abgewinkelt sind? Hier dürfen Sie kreativ werden und experimentieren. Die Beschreibungen der vielen Varianten im nachfolgenden Text können Ihnen helfen, das zu lernen.

Wenn sich die Wirbelsäule noch weiter streckt, die Lunge sich ausdehnt und Sie unwillkürlich tief durchatmen, haben Sie es richtig gemacht und mit dem Strom- und Gegenstromprinzip gearbeitet. Eine Armgebärde von aussen nach innen, die nur äusserlich-physisch gemacht wird, würde den Brustkorb nämlich einengen und den Atem beklemmen.

Mit dem "E" werden Sie Ihre Umgebung und sich selbst anders wahrnehmen als mit dem "A". Sie werden die Kreuzungsgebärde als etwas erleben, das eine Grenze bildet und Schutz bietet. Sie werden aber auch spüren, dass dort Begegnung aller Art stattfinden kann: kriegerisch, liebevoll, hoffnungsvoll.

Das "E der zwei Säulen"
Verlagern Sie einmal Ihr Gewicht auf die linke Seite und spüren Sie in die linke Körperhälfte hinein wie in eine Säule, die den ganzen Körper trägt. Wenn Sie dasselbe auf der rechten Seite machen, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass sich diese Säule ein wenig anders anfühlt als die linke. Solange Sie vor allem auf die physischen Gegebenheiten achten, auf die Muskelspannung, den Druck auf der Fusssohle, die Berührungsfläche zwischen Arm und Rumpf, ist der Unterschied logischerweise nur klein. Wenn Sie die linke und die rechte Säule aber als Räume erleben, in die Sie sich innerlich hineintasten, wird der Unterschied grösser. Dann erleben Sie die eine Säule vielleicht als stärker, die andere als schwächer. In der einen Säule spüren Sie mehr, in der anderen weniger, die eine ist starrer, die andere beweglicher.

Wenn Sie sich ein bisschen an den Umgang mit diesen zwei Säulen gewöhnt haben, werden Sie staunen. Sie fangen an, auch bei anderen Menschen Unterschiede wahrzunehmen, die Ihnen vorher gar nicht aufgefallen sind. Sie sehen plötzlich, dass bei einem Menschen eine Schulter viel niedriger ist. Oder dass - obwohl der Körper äusserlich regelmässig proportioniert ist - eine Seite den Eindruck macht, kräftiger zu sein als die andere, die vielleicht etwas eingefallen wirkt. Bei jemand Drittem haben Sie vielleicht den Eindruck, dass er immer nach rechts kippt. Ein andermal sprechen Sie mit jemand und merken, dass er Ihnen eine Körperseite mehr präsentiert und die andere zurückhält, also etwas verdreht zu Ihnen steht. Kein Problem, denken Sie und machen einen Schritt zur Seite, sodass Sie wieder vor ihm stehen. Aber nach einer Minute hat Ihr Gegenüber sich ebenfalls weitergedreht und steht wieder seitlich zu Ihnen. Sie können ein richtiges Spiel daraus machen und mit der Zeit haben Sie sich zusammen einmal im Kreis gedreht. Wenn Sie solche Sachen bei anderen beobachten, werden sie Ihnen mit der Zeit auch an sich selbst auffallen.

Obwohl wir links und rechts (fast) gleich aussehen, sind wir auf der energetischen Ebene sehr verschieden angelegt. Die rechte Säule bevorzugt eine Strömungsrichtung, die von oben nach unten geht, und richtet sich daran auf. Die linke Säule des Körpers nimmt eher die Energie von unten in sich auf. Dadurch entstehen die Ausprägungen der zwei Säulen, von denen wir vorhin ein paar kennengelernt haben.

Nun beginnen wir mit der Übung. Sie ist im Video zum "E" demonstriert. Stellen Sie sich aufrecht hin und belasten Sie beide Füsse gleichmässig. Diesmal ist das Volumen Ihrer beiden Energiesäulen nicht auf die Breite des Körpers beschränkt, sondern etwas grösser. Vielleicht so gross wie ein Besenschrank, in den Sie gerade so hineinpassen. Die eine Tür ist die Vorderseite der rechten Säule, die andere die der linken Säule.

Jetzt legen Sie die rechte Handfläche seitlich von aussen an die rechte Energiesäule, als würden Sie eine reale Schrankwand berühren und Druck auf sie ausüben. Die Fingerspitzen schauen nach oben, die Handkante nach vorne, die Handfläche hinüber zur linken Säule. Aktivieren Sie innerlich Ihre Kraftreserven und schieben Sie mit Ihrer hochkant gestellten rechten Handfläche Ihre rechte Energiesäule vor dem Körper hinüber auf Ihre linke Seite. Wenn Sie kräftig schieben und gleichzeitig die Wahrnehmung auf den eigenen Körper richten, spüren Sie tatsächlich so etwas wie Widerstand in der Hand. Wenn es Ihnen gut gelingt, wird das Erlebnis so real, dass die Hand, sobald Sie den Druck zurücknehmen, von alleine in Richtung Anfangsposition zurückkommt.

Wenn Sie sich nur auf den Druckaufbau und auf die Bewegung der Hand konzentrieren, kann es Ihnen passieren, dass Ihr Körper mit der Handbewegung mitgeht, sodass Sie zum Schluss schief oder verdreht stehen. Spüren Sie aber, während Sie den Druck aufbauen und die Hand auf die andere Seite schieben, auch Ihren Körper, wird dieser von dem Schub nicht mitgenommen, sondern im Gegenteil: Er richtet sich sogar auf.

Wenn Sie mit beiden Händen nach links und rechts greifen und den Energieaustausch der beiden Säulen gleichzeitig durchführen, entsteht die vollständige "E"-Gebärde, bei der beide Arme gekreuzt sind. Beide Säulen, die linke und die rechte, werden mit ihrer komplementären Energie ergänzt. Plus und Minus kommen zusammen. Sie stehen viel kräftiger auf beiden Beinen als vorher, fühlen sich präsent und erfüllt von Energie.

Wie kommt diese Wirkung zustande? Sie können ja nicht wirklich nur durch einfaches Schieben mit der Hand so viel Energie entstehen lassen. Weil aber jede Säule ihre komplementäre Ergänzung verborgen in sich trägt, braucht es nur wenig, um diese schlummernde Energie zu wecken und zum Vorschein zu bringen. Es reicht, ein wenig von dem Potential der einen Seite auf die andere Seite zu schieben und achtsam zu sein auf das, was geschieht. Die eigentliche Stärkung der Säule kommt also nicht von links oder rechts, sondern von innen!

Bei den meisten der im Folgenden beschriebenen Varianten des "E" können Sie dafür sorgen, dass ein solcher Energieaustausch zwischen den Säulen stattfindet. Das ist ein Gewinn für die Ausdruckskraft der Gebärde, für die Wirkung auf das Fahren und für Sie persönlich.

Das "Ehrfurcht-E"
Um Ehrfurcht oder Andacht auszudrücken, werden manchmal die Arme über der Brust gekreuzt. Die rechte Hand liegt beim linken Schultergelenk und die linke Hand beim rechten. Selbst wenn Sie die Arme aneinanderdrücken, um den Kreuzungspunkt gut zu spüren, ist diese Kreuzung noch lange kein "E". Sie spüren zwar tiefer in sich hinein und nehmen Ihre Gefühle stärker wahr, aber Sie schotten sich auch ein bisschen von aussen ab und machen, wenn Sie ehrlich sind, Ihre eigene Sache daraus. Das ist keine "reale" Kreuzung, da findet kein Energieaustausch statt.

Um in der Kraft des "E" zu bleiben, sollten Sie mit Ihrem Gefühl nicht nur nach innen gehen. Benutzen Sie an der Stelle, wo Sie die gekreuzten Arme auf die Brust legen und nach innen fühlen, Ihr Körpergefühl, um einen Gegenstrom zu erzeugen, mit dem Sie sich ganz konkret auch in die andere Richtung ausdehnen. Sie werden merken: Der Brustkorb weitet sich, Sie fühlen sich gekräftigt und es entsteht das Gefühl einer Begegnung zwischen innen und aussen, eine echte Kreuzung, ein wirkliches "E".

Auf der Piste
Jetzt wissen Sie, was in einem "E" so alles drinsteckt, und haben vielleicht schon einiges davon ausprobiert. Wie können wir das nun praktisch umsetzen und unsere Fahrtechnik und unser Fahrvergnügen damit bereichern? Ich zeige Ihnen eine Auswahl von acht Varianten: Ein kräftiges, ein dynamisches, ein rhythmisches, ein kämpferisches, ein ordnendes, ein naturverbundenes, ein verinnerlichendes und ein herausforderndes "E". Gehen wir auf die Piste!

Das "kräftige E"
Fahren Sie langsam eine längere Strecke schräg zum Hang. Die Kanten laufen gut in der Spur und Sie rutschen nicht seitlich weg. Machen Sie auf dieser Strecke einige Male ein "kräftiges E", bei dem Sie die Arme in einer scharfen Bewegung vor der Brust kreuzen. Dazwischen lösen Sie jedes Mal die Arme, fahren ein Stück weiter und machen dann das nächste "kräftige E".

Wahrscheinlich fällt Ihnen erst einmal gar nichts Besonderes auf. Das ist auch gut so. Sie sollen sich ja auf das "E" konzentrieren, damit es wirklich kräftig ist, die Energie nach links und rechts möglichst weit über die Hände hinausgeht und die Wirbelsäule sich streckt.

Wenn das gut und fast von alleine gelingt, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Skier und beobachten, was da unten geschieht. Wahrscheinlich werden Sie feststellen, dass sich bei jedem "E" die Skier ein wenig querstellen. Sobald Sie das "E" lösen, gehen sie zurück in die Spur. Aber nur, um sich beim nächsten "E" sofort wieder querzustellen.

Bei jedem "kräftigen E" gehen die Skier ein wenig auf die Kanten und geben einen leichten Stoppimpuls. Ob Sie es merken oder nicht - das "E" lässt es nicht einfach laufen, sondern will mitreden, wenn nicht sogar beherrschen. Sogar dann, wenn Sie es gar nicht bewusst einsetzen.

Auf einer mittelsteilen Piste macht es Spass, das "kräftige E" bewusst einzusetzen und das Tempo damit zu steuern. Oben machen Sie das "E", unten stellen sich die Skier quer und leiten den Schwung ein: linksherum, rechtsherum, linksherum. Je kräftiger Sie das "E" machen und je lockerer Sie dazwischen die Arme wieder auseinandergehen lassen, umso dynamischer wird es. Aufkanten - lösen - aufkanten - lösen. Sie fahren Ski mit den Armen. Ein tolles Feeling!

Das "gestreckte E"
Das "gestreckte E" und seine Varianten sind interessante und wirkungsvolle Elemente beim sportlichen Fahren. Hier kommt der Mars im "E" auf seine Kosten. Die Piste wird zum Sparring-Partner, zum Kumpel, mit dem es Spass macht, seine Kräfte zu messen.

Für das "gestreckte E" kreuzen Sie die Arme an den Handgelenken und strecken sie so weit es geht. Die Hände und Finger bilden die Verlängerung der Unterarme und sind kräftig durchstrahlt. Dann drücken Sie in einem zweiten Schritt die Ellenbogen nach innen, sodass sie nahe zusammenkommen.

Wenn Sie auf Ihr Körpergefühl achten, sollte der Körper so reagieren, dass sich der Rücken streckt, der Kreuzungspunkt der Arme deutlich weiter nach vorne rückt und die Streckenergie spürbar durch die Finger nach aussen strahlt. Obwohl die Arme jetzt wirklich voll gestreckt sind und die Oberarme nach innen drücken, sollte sich der Brustkorb sogar dehnen und ein tiefes Durchatmen auslösen. Wenn das passiert, wissen Sie, dass Ihr "gestrecktes E" funktioniert. Wenn nicht, sollten Sie sich fragen warum, und herausfinden, wie Sie es ändern können.

Für den Effekt beim Fahren führen wir das "gestreckte E" von der Mitte aus an der Aussenseite der Kurve nach unten, als würden wir die schmal gestreckten Arme neben den Aussenkanten der Skier in den Schnee stecken wollen. Bitte aktivieren Sie unbedingt den Gegenstrom und gehen Sie nicht zusammen mit den Armen nach unten.

Je intensiver und kraftvoller Sie die Arme nach unten bewegen, umso mehr soll es Sie von innen her aufrichten. Dann lassen Sie die Spannung in den Armen los, sodass diese von alleine in die Mitte zurückkommen. Das ist die ideale Position, um die Kurve einzuleiten und um die zuvor von den Armen gebildete "E"-Säule herumzuschwingen. Dann setzen Sie schmal und kraftvoll das nächste "E" auf der anderen Seite an und bereiten die folgende Kurve vor.

Das "einarmige E"
Wenn man das "gestreckte E" nur mit einer Hand und dafür abwechselnd rechts und links ausführt, entstehen rhythmisch interessante Variationen. Anders als beim "gestreckten E" wird der Arm hier nicht auf der Kurvenaussenseite nach unten geführt, sondern auf der Innenseite.

Wenn Sie zum Beispiel einen Rechtsbogen fahren, heben Sie die rechte Hand locker auf Herzhöhe. Dann schieben Sie die Hand wie ein Schwert kräftig in Richtung der Schnallen Ihres linken Skischuhs. Da die Skier durch das Hinunterschieben entlastet werden, können Sie gleichzeitig den Linksbogen einleiten. Die rechte Hand hat ihre Aufgabe erfüllt. Sie heben die linke, schieben sie auf der rechten Seite hinunter und schon folgt der Rechtsbogen.

Auf diese Weise entsteht ein dynamischer, vom Rhythmus der Arme gesteuerter Kurzschwung. Der eine Arm geht von oben nach unten und dreht die Beine in die Kurve. Der Oberkörper und der andere Arm drehen aber bereits in die andere Richtung und bereiten schon die nächste Kurve vor. Das Überkreuzen findet also nicht nur in den Armen statt, indem der rechte Arm links hinuntergeht und der linke rechts hinunter. Auch die Drehrichtungen von Oberkörper und Unterkörper kreuzen sich ständig. Unten dreht es nach links, oben schon nach rechts - und dann andersherum.

Das "Stopp-E"
Auf richtig steilen Pisten, die das eigene Können fast übersteigen, kann man das "gestreckte E" zu einem "Stopp-E" steigern. Dazu zielen Sie mit den Händen auf eine konkrete Stelle unterhalb Ihrer momentanen Position und verstärken die Streckenergie in den Armen, sodass es sich anfühlt, als würden Sie einen Stock in die Piste rammen. Dann schwingen Sie um den "Stock" herum, und während Sie das tun, lösen Sie die Arme und "stecken" den Stock auf der anderen Seite in den Boden. Machen Sie das ruhig so kräftig, dass die Skier dabei fast zum Stopp kommen. Dadurch haben Sie Zeit, den nächsten Schwung in Ruhe vorzubereiten und auf dieselbe Weise auszuführen. Mit dieser Methode können Sie auch steile Hänge bewältigen, ohne schnell zu werden. Sie schwingen wie auf einer Treppe von Stufe zu Stufe talwärts, so als würden Sie sich zwischen einer Reihe von Stöcken herunterhangeln.

Das emotionale Erlebnis beim "Stopp-E" ist relativ stark, der Körpereinsatz fast aggressiv. Der Hang soll spüren, dass Sie seine Herausforderung meistern. Wenn das gut funktioniert, haben Sie auch auf einer schwierigen, steilen Piste überraschende Erfolgserlebnisse. Sie fühlen sich sicher und haben Freude an etwas, was Ihnen sonst eher Mühe gemacht hätte.

Das "E" von unten und oben
Versuchen Sie einmal, beim Fahren einen Arm nach oben, den anderen nach unten zu strecken und dann die beiden Arme langsam zu einem "E" vor dem Körper zu kreuzen.

Machen Sie die Bewegung möglichst intensiv, sodass Sie das Gefühl haben, als zögen Sie den oberen Arm nach unten in die Kreuzung und den unteren nach oben. Wenn Sie loslassen, sollten Sie eine Kraft spüren, die die Arme wieder nach oben und unten zurückholen will.

Achten Sie beim Kreuzen der Arme darauf, dass Sie sich innerlich nicht mit zusammenziehen, sondern im Körper die Gegenkraft spüren, die Sie von innen her gross machen möchte. Halten Sie den Druckpunkt zwischen den Unterarmen nur so lange, bis Sie ihn klar gespürt haben, und gehen Sie danach mit den Armen wieder zurück in die Ausgangsposition.

Wichtig ist, dass Sie beide Arme - den, der von oben kommt, und den, der von unten kommt - gut spüren. Weil der obere Arm näher am Kopf ist, drängt sich dieser stärker ins Bewusstsein. Nehmen Sie sich deshalb einfach vor, auf den unteren zu achten. Dann können Sie ziemlich sicher sein, dass Sie beide Arme gut spüren werden.

Wenn Sie das Zusammenziehen der Arme zum Kreuz in den Kurven machen und für den Kurvenwechsel die Arme wieder auseinandergehen lassen, entsteht ein ruhiger, fliessender und sehr klarer Rhythmus. Das Pendeln des "E" zwischen Hingabe und Selbstbehauptung kommt zu einem Gleichmass. Im Körper stellt sich das Gefühl von Zufriedenheit ein. Sie fahren selbstbewusst, aktiv und achtsam.

Mit etwas Übung können Sie jedes Mal, wenn die Arme gestreckt sind, mit beiden Händen - als wären es Windmühlenflügel - je einen Halbkreis machen und dadurch die Position der Arme wechseln. In der einen Kurve ist der rechte Arm oben, in der anderen der linke.

Im nächsten Kapitel, beim "I", werden Sie sehen, dass auch beim "I" die Arme nach oben und unten gerichtet werden. Der Unterschied ist, dass es dort um das Strecken der Arme geht, beim "E" um das Zusammenziehen, um die Begegnung von Gegensätzen und das dabei entstehende Krafterlebnis.

Das "grosse E"
Stellen Sie sich vor, dass Ihr rechter Arm über die Muskulatur mit der linken Schulter und der linke Arm mit der rechten Schulter verbunden ist, und strecken Sie die Arme weit nach links und rechts hinaus. Durchstrahlen Sie die Arme vom Herzen her, bis sie anfangen, nach aussen zu ziehen. Durch das Gefühl, dass die Arme mit der anderen Körperseite und deren Energiesäule verbunden sind, werden Sie nicht auseinandergerissen, sondern in der Mitte sogar gekräftigt.

Beim Skifahren sollten Sie für das "grosse E" eine Piste wählen, die es Ihnen erlaubt, sich ganz auf die Natur, zum Beispiel auf einen Berg vor Ihnen, einzulassen. Machen Sie das Öffnen ins "E" langsam und strecken Sie, wie eben beschrieben, die Arme immer weiter zur Seite aus. Wenn als Reaktion darauf die Brust von innen her weit wird, fühlen Sie sich mit der Natur beinahe körperlich verbunden - als würden Sie die Natur berühren oder die Natur Sie.

Sobald die Arme ein wenig höher steigen oder etwas nach vorne gehen, verliert das "E" an Kraft. Das Gleiche geschieht, wenn Sie das Brustbein etwas nach hinten nehmen und der aktive Energieaustausch mit der Natur aufhört. Dann sieht die Gebärde zwar noch fast wie ein "grosses E" aus, von ihrer Wirkung her ist sie aber schon ein "A".

"Grosses-E" - "Kleines E"
Das Grundprinzip ist ein weites Ausdehnen der Arme nach links und rechts und das anschliessende Zusammenführen der Arme in ein "E" vor der Brust. Dieser Ablauf hat Ähnlichkeiten mit einer Heileurythmie-Übung, die aber noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte umfasst.

Der Bewegungsablauf beginnt wie beim "grossen E", indem Sie die Arme von innen her immer weiter nach links und rechts strecken. So fahren Sie eine Weile geradeaus, bis Sie einen intensiven Kontakt mit der Natur aufgebaut haben. In einem zweiten Schritt führen Sie die Hände langsam und sehr bewusst zu einem "kleinen E" zusammen, bei dem Sie die Arme in der Nähe der Handgelenke kreuzen und die Verbindung nach innen, zum Herzen intensivieren.

Für das Hereinholen und Kreuzen der Arme gibt es viele Möglichkeiten: Sie können die Arme mit viel Intensität und leicht aufgerichteten Fingern wie beim "E der zwei Säulen" langsam zusammenschieben. Oder Sie ziehen sich mit dem ganzen Körper zusammen, bis er sich schmal und dünn anfühlt, und lassen die Arme folgen. In diesem Fall zeigen die Finger in die Richtung, in die sich die Hände bewegen.

Jede Art der Ausführung färbt das Erlebnis anders und es ist an Ihnen, herauszufinden, welche Ihnen am besten gefällt. Wichtig ist, dass Sie darauf achten, mit dem Hereinkommen der Arme innerlich mitzugehen und sich gleichzeitig von der Mitte aus immer noch - oder sogar immer mehr - mit der Natur zu verbinden.

Holen Sie die Arme keinesfalls in einer halbrunden Bewegung herein. Dann kommen die überkreuzten Hände infolge des Bogens von vorne auf die Brust zu und verhindern den Strom, der von Ihrer Mitte in die Natur hinausgehen soll. Besser ist es, wenn Sie die Arme von den Seiten her so zusammenführen, dass sie wirklich von links und rechts hereinkommen und im Brustbein das Gefühl entstehen kann, sich in die Umgebung hinaus auszudehnen. Das kann sich anfühlen, als würden Sie eine unendlich grosse, in den ganzen Umkreis ausgebreitete Welt in sich hereinholen.

Es ist ein tiefes Erlebnis, das "grosse" und das "kleine E" im ruhigen Wechsel zu machen. Anfänger machen es bei langsamem Tempo, erfahrene Skifahrer bei mittlerem Tempo. Für Könner ist es sicher spannend, diesen Bewegungsablauf auch bei hohem Tempo zu versuchen und trotzdem in den Armen Langsamkeit, Ruhe und Innigkeit zu behalten.

Das Andreaskreuz und das "kräftige E"
Das "grosse E" ist ein seelisches Hinausgehen in alle vier Himmelsrichtungen: Die Arme strecken sich nach rechts und links und stärken die Wirbelsäule, die Verbindung von oben und unten. Das Herz öffnet sich nach vorne, um dem zu begegnen, was von dort kommt. Christus wurde an ein "E"-Kreuz genagelt.

Andreas starb der Überlieferung nach an einem anderen Kreuz. Seine Balken bilden nach allen Seiten ein "A". Ein "A" zeigt nach oben, eines nach unten und eins nach jeder Seite. Mit seiner extrem offenen Haltung ist das Andreaskreuz ein "A"-Kreuz, ein Ausdruck der reinen Hingabe.

Das "kräftige E" vor der Brust drückt Abgrenzung und Selbstbehauptung aus. Die vor dem Herzen gekreuzten Arme bilden ein echtes "E". Sie bringen Energien miteinander zum Austausch und sind das Gegenteil des Andreaskreuzes.

Jetzt möchte ich Sie einladen, diese beiden Gegensätze - das Andreaskreuz und das "kräftige E" beim Skifahren miteinander zu verbinden.

Üben Sie zuerst, auf einer flachen Piste in einer Haltung wie beim Andreaskreuz entlang der Falllinie zu fahren: mit weit gespreizten Beinen und nach links und rechts oben ausgestreckten Armen. Der linke Arm verlängert das rechte Bein und der rechte Arm das linke.

Beim "A mit den Beinen" habe ich es bereits gesagt: Es braucht Kraft, um die Skier in Position zu halten, da sie wegen der Carving-Kanten von alleine zusammen fahren möchten. Je weiter Sie die Beine spreizen und je schneller Sie fahren, desto stärker drücken die Skier nach innen. Die Beine und Arme sollten aber nicht nur auseinandergehalten, sondern aktiv durchstrahlt werden.

Wenn Sie das beherrschen, können Sie die Arme dazunehmen, eine kurze Strecke mit dem weit gestreckten Körper dahinfahren und dann zu einem "kräftigen E" in den Armen und in den Beinen übergehen. Da Sie die Beine während der Fahrt nicht überkreuzen können, ziehen Sie stattdessen die Füsse energisch zusammen, lassen die Skischuhe kräftig zusammenstossen und halten sie beim Weiterfahren einen Moment lang so zusammen. Auch das ist ein echtes "E"!

Beim Übergang vom Andreaskreuz ins "E" müssen Sie dafür sorgen, dass die Bewegung von den Beinen geführt wird. Gehen Sie innerlich nach unten, spüren Sie die Knöchel und Füsse und ziehen Sie die Skier mit der Kraft der Beine schnell und eigenaktiv zusammen. So bleiben die Skier parallel und laufen nicht übereinander. Ohne diese Zusatzkraft in den Beinen müssen Sie gegensteuern, die Skier fangen an zu flattern, die Situation wird instabil und Sie kämpfen gegen den Sturz.

Wenn Sie in den Füssen so aktiv sind, wie ich es gerade beschrieben habe, folgen die Arme wie von selbst und gehen, ohne dass Sie besondere Aufmerksamkeit darauf verwenden, schnell, kraftvoll und gezielt in die Kreuzung. Ihre Mitte bleibt frei und wird nicht eingeengt.

Wenn Sie das Andreaskreuz im Wechsel mit dem "kräftigen E" ausprobieren, werden Sie wahrscheinlich nicht lange in der gestreckten Ausgangsposition fahren, sondern, sobald Sie das für Sie interessante Tempo erreicht haben, den Übergang ins "E" machen. Und wenn Sie mit zusammengepressten Armen und der "E"-Gebärde dahinfahren, werden Sie wahrscheinlich bald wieder ins Andreaskreuz wechseln wollen. Das Schöne ist der stete rhythmische Wechsel zwischen den beiden Positionen und dort vor allem der Übergang vom extrem offenen Andreaskreuz in das "kräftige E" mit den Füssen.

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