Eurythmie auf Skiern - Der Konsonant «B» 
 
 
   

Kurse/Events             Philosophie             Videos             Wettbewerb            Buch            Artikel            Kontakt            Gästebuch            Links            Home

 

Zur Kapitel-Übersicht      

Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben


Die Grundgebärde des "B"
Strecken Sie Ihre Arme weit nach links und rechts und spüren Sie mit der Rückseite der Arme und der Hände in den Raum hinter sich. Dann führen Sie die Arme und Hände in einem grossen Bogen vor dem Körper zusammen, als würden Sie einen dicken Baumstamm fest umarmen. Die eine Hand etwas weiter oben, die andere etwas weiter unten. Wenn Sie in den Armen die Empfindung für den zuvor gespürten hinteren Raum aufrechterhalten, entsteht eine grosse, kräftige und schützende Hülle, die nicht nur die Arme und den "Baumstamm" umfängt, sondern Ihren ganzen Körper. Gelingt es Ihnen, die Kraft des "Baumstamms" in sich aufzunehmen, sodass Sie sich von innen her getragen und gekräftigt fühlen und stundenlang so stehenbleiben könnten?

Wenn Sie nur mit den Armen ausholen und diese ohne jede Muskelspannung locker hereinholen, kommt die Bewegung erst auf dem Körper zu Ende. Damit die Arme vorher stoppen und der "Baumstamm" entsteht, muss den Armen von innen etwas entgegenkommen. Das geschieht, wenn Sie in den Armen und im Körper die richtige Spannung haben. Dann reagiert der Körper auf die von den Armen mitgebrachte Energie, richtet sich auf und erzeugt eine Gegenkraft von innen, die sich ausdehnt. Die Ausdehnung von innen und das Heranbringen der Hülle von aussen stoppen sich gegenseitig. Der "Baumstamm" fühlt sich dann so real an, dass Sie ihn sogar zusammendrücken können und er zurückfedert. Die Arme so hereinzuholen, bis es stoppt, nenne ich "Verdichten". Ohne Verdichten kein "B". Das "B" kommt an, es ist ein Stosslaut.

Die Beine und insbesondere die Oberschenkel spielen eine wichtige Rolle für die "richtige Spannung" und das Entstehen der inneren Energiesäule. Sie sind aber nicht an einen bestimmten Bewegungsablauf gebunden. Beim ruhigen Fahren werden Sie wahrscheinlich die Oberschenkel strecken, um die für das "B" nötige Ausdehnung von innen zu bewirken. Beim dynamischen Fahren werden Sie zusammen mit dem "B" in die Knie gehen und die Gegenkraft mit gebeugten Knien aufbauen. Die resultierende Federwirkung nützen Sie zum Strecken der Oberschenkel, zum Lösen der Arme in die Weite und zum Ansetzen des nächsten Schwunges.

Langsam anfangen - Experimente im Pflug
Das "B" mag die Kurven, die Falllinie, das Tempo und den schnellen Rhythmus. Fangen wir trotzdem erstmal langsam an.

Stellen Sie sich auf einer nicht zu steilen Piste in die Falllinie und rutschen Sie im Pflug hinunter. Machen Sie langsam ein kräftiges "B" und intensivieren Sie die Gebärde so, dass die Skier den Pflug verstärken und stoppen. Dann lösen Sie die "B"-Gebärde und die Pflugbremse wieder auf, fahren im Pflug ein Stück weiter und wiederholen das "B" und den Stopp. Vielleicht stellt sich bei Ihnen das typische "B"-Gefühl ein, wenn Sie stoppen: "Ich umarme einen Baumstamm und nichts kann mich umwerfen!"

Ihr oberer Mensch würde sich mit diesem Krafterlebnis vielleicht zufriedengeben. Ihr unterer Mensch sicher nicht. Ihm ist das zu langweilig und auf Dauer zu anstrengend. Er hat mehr Spass, wenn Sie den Ablauf rhythmisieren.

Nutzen Sie die Federwirkung des durch das "B" entstandenen "Baumstamms", um die Arme mit seiner Kraft nach aussen zurückzuschicken und die Pflugbremse zu lockern. Von aussen lassen Sie die Arme gleich wieder hereinkommen und setzen zum nächsten "B" an. Sie verdichten und stoppen - öffnen und fahren - verdichten und stoppen.

Sie können mit den Armen auch Kurven steuern. Wenn Sie beim Pflugfahren ein "B" bilden und dabei einen Arm mehr betonen als den anderen, verlagern Sie automatisch Ihr Gewicht auf den entsprechenden Ski, und die Skier gehen ins Kurvenfahren über. Machen Sie das nächste "B" mit Betonung des anderen Arms, sodass Ihre Skier in die nächste Kurve gehen. So können Sie ohne grosse Skifahrkenntnisse langsam und in grossen Bögen mit "B" den Hang hinunterfahren.

Da es anstrengend ist, die Beine im Pflug zu halten, werden Sie bald beginnen, die Beine am Ende einer Kurve ein wenig zusammenlaufen zu lassen und erst bei der nächsten Kurve den Pflug wieder aufzubauen. Es entstehen wie von selbst die im Folgenden beschriebenen Varianten des "B" auf Skiern.

Ruhige Kurven
Probieren Sie das Kurvenfahren mit dem "B" zuerst als einfache Richtungswechsel. Öffnen Sie vor jedem "B" die Arme weit zur Seite, bleiben Sie relativ aufrecht und gehen Sie zusammen mit dem Bilden des "B" in die Kurve. Oben verstärken Sie den Druck der Arme, unten bauen die Skier ihren gemässigten Druck auf die Piste auf.

Für das ruhige Kurvenfahren mit "B" wird vor allem die Kraft der Gebärde und die aus den Oberschenkeln aufgebaute Energiesäule eingesetzt.

Vielleicht fällt Ihnen auf, dass im Körper ein "I"-Gefühl entsteht? Und spüren Sie den schönen Kontakt zum Schnee, zur Piste, den das gibt?

Rhythmisches Kurvenfahren
Je mehr Sie in Schwung kommen, umso eher werden Sie das "B" erst in der Kurve bilden. Beim Einleiten der Kurve sind die Arme weit geöffnet. Wenn Sie in die Schräglage gehen, fangen Sie an, das "B" zu bilden, und gehen dabei langsam in die Knie. In der Mitte der Kurve haben die Arme das "B" fertig gebildet, die Knie sind am meisten gebeugt und es ist viel Druck auf den Skiern.

Im zweiten Teil der Kurve drücken Sie sich mit den Oberschenkeln aus der Kurve heraus und richten sich auf. Die Streckenergie nutzen Sie für das erneute Ausbreiten der Arme und den Übergang in die nächste Kurve.

Wenn Sie so fahren, spüren Sie die rhythmische Urkraft des "B". Die Arme kommen deutlich an, aber sie stoppen nicht, wenn sie das "B" gebildet haben. Sie werden vom Gegendruck der Energiesäule, die durch die Dynamik des Fahrens entsteht, sofort wieder hinausgetragen, sodass ohne Zutun das nächste "B" folgen kann.

Das Ausholen in die Weite, das Heranführen der Arme und das Bilden der kräftigen Hülle ist in jeder Phase mit dem Rücken und den Schulterblättern verbunden. Auch wenn Sie mit grosser Schräglage, eng an den Körper gezogenem "B" und tief in der Hocke am Druckpunkt der Kurve sind - bleiben Sie mit dem Rücken so aufrecht wie möglich! Sonst geht diese Verbindung verloren, das "B" wird spürbar schwächer, der Rückfedereffekt bleibt aus und das Fahren verliert an Dynamik.

Sobald ein Rhythmus entstanden ist und Sie ein gutes Gefühl dabei haben, ist der Zeitpunkt gekommen, das Tempo zu steigern. Wie sehr, das bestimmen das Gelände, Ihr Können und Sie selbst. Bewegen Sie auch bei hoher Geschwindigkeit oder in schwierigem Gelände die Arme bewusst ruhig und grosszügig.

Lassen Sie sich auch dann Zeit, wenn es schnell geht. Reissen Sie die Arme nicht nach innen! Und nutzen Sie die Kraft des "B"! Wenn Ihnen in einer schwierigen Situation die Skier davonzufahren drohen - verstärken Sie Ihre "B"! Wenn Sie es schaffen, mehrere kräftige "B" zu erzeugen und so Ihre Energiesäule zu aktivieren, haben Sie die Situation wieder im Griff.

Verdichten - Lösen - Loslassen
Achten Sie darauf, dass Sie zwischen jedem "B", egal ob gross oder klein, ob langsam oder schnell, die Arme so weit öffnen, dass Sie neue Energie bekommen. Das Entscheidende ist nicht, wie weit Sie die Arme nach links und rechts strecken. Was zählt, ist, dass Sie jedes Mal kurz loslassen und dass die Arme und Ihr Körpergefühl einen neuen Kontakt zum Sie umgebenden Raum und zu den Flügeln herstellen.

Wenn es schnell und dynamisch dahingeht, kommt es vor, dass man das konsequente Aufmachen zwischen jedem "B" vergisst. Sie merken es ganz einfach daran, ob Sie nach einer halben Hanglänge eine Pause brauchen oder am liebsten gar nicht mehr mit dem "B" aufhören möchten.

Spielvarianten des "B"
"B" im Rücken
Machen Sie in jeder Kurve ein neues "B" hinter dem Rücken. Beim Kurvenwechsel öffnen Sie die Arme nach links und rechts, in der Kurve bilden Sie das "B". Einmal ist die eine Hand höher, dann die andere. Die Handflächen zeigen nicht gerade nach oben, sondern sind etwas zum Rücken hin gedreht. Erzeugen Sie auch im Rücken das "Baumstammgefühl". Dann werden Sie feststellen, dass sich der Brustkorb jedes Mal, wenn die Arme hinten zusammenkommen, angenehm dehnt. Achten Sie darauf, dass Sie nicht in Rücklage kommen und unversehens ein Hohlkreuz machen.

Abwechselnd vorne und hinten
Fahren Sie geradeaus, in leichten Bögen oder rhythmisch schwingend, und machen Sie das "B" abwechselnd vor und hinter dem Rücken. Mit der Zeit finden die Arme und die Beine einen passenden Rhythmus. Die Bewegung wird leicht, das Aufmachen der Arme geschieht fast von alleine und der Brustkorbs dehnt und entspannt sich ganz natürlich.

"B" mit einem Arm
Fahren Sie mit "B" entspannt durch die Kurven, aber benutzen Sie für das "B" nur den kurvenäusseren Arm, d. h. den linken für Rechtskurven und den rechten für Linkskurven. Den anderen Arm lassen Sie locker hängen. Er hat kurz Pause, aber schon beim nächsten "B" ist er wieder aktiv.

Bei diesem "B" steuern Sie die Kurve stärker mit den Armen, als wenn Sie das "B" mit beiden Armen bilden. Achten Sie aber darauf, dass Sie den Arm nicht wie eine Schwungmasse benutzen, um die Kurve zu bewirken. Auch mit einem Arm lässt sich ein Kraftfeld aufbauen, mit dem Sie den Körper und die Skier um die Kurve führen können.

Die Gebärde kann gross und voluminös sein oder nah an den Körper herangeführt werden. Wenn Sie den Arm von der Hand ausgehend eindrehen, bis die Rückenseiten der Finger zum Brustkorb zeigen, steigt die Zugspannung im Arm und verstärkt die Drehwirkung.

Wenn es mit dem kurvenäusseren Arm gut funktioniert und Ihre Entdeckerfreude noch nicht nachgelassen hat, können Sie das Gegenteil versuchen und den kurveninneren Arm verwenden. Sie werden erstaunt sein, dass auch das möglich ist.

Vorne und hinten gleichzeitig
Fast leichter, in jedem Fall spielerischer, ist die Variante, das "B" mit einem Arm vorne und dem anderen hinten zu machen. Wenn ein Arm für das nächste "B" nach hinten geht, wechselt der andere Arm nach vorne. Auf diese Weise kommen auch die weniger geübten Skifahrer einfach und selbstverständlich in ein lockeres Fahren mit kurzen Schwüngen.

Für die Drehrichtung haben Sie auch hier wieder zwei Möglichkeiten. Anfangs werden Sie wahrscheinlich bevorzugen, die Arme und die Skier in dieselbe Richtung zu drehen. Rechtsherum, linksherum, rechtsherum usw. Es ist aber ausgesprochen reizvoll und fast noch dynamischer, mit den Armen die Gegenbewegung zu den Skiern zu machen.

Zwei Schwünge und ein "B"
Wenn Sie das "B" vorne und hinten gleichzeitig machen und zügig entlang der Falllinie dahinfahren, kann es interessant sein, nur jeden zweiten Bogen mit den Armen zu steuern. Dann bewirkt die Federkraft des Körpers den Schwung in die Gegenrichtung und ein "B" reicht für zwei Kurven.

Wenn Sie zum Beispiel mit einem kräftigen "B" des rechten Armes vorne und des linken hinten einen Rechtsschwung einleiten, drehen sich der Unterkörper und die Skier nach rechts, aber der Oberkörper dreht in die Gegenrichtung, nach links. Die Spannung zwischen diesen Gegensätzen streckt und kräftigt Ihre Energiesäule. Sobald Sie das "B" lösen, bewirkt die Torsionsspannung im Körper das Einleiten der Linkskurve. Der Wechsel nach links wird von Ihrer Energiesäule koordiniert, ohne dass es die Arme dazu braucht. Die können, anstatt zwischen hinten und vorne zu wechseln, locker hängen oder schon das nächste kräftige "B" für den nächsten Rechtsschwung vorbereiten.

Probieren Sie den Armeinsatz mal beim Links-, mal beim Rechtsschwung. Fühlen Sie sich mit einer Seite wohler? Wo entsteht der geschmeidigere Rhythmus? Oder machen Sie das "B" sowieso immer in dieselbe Richtung?

Zum Seitenanfang             Zur Kapitelübersicht