Eurythmie auf Skiern - Der Vokal «A» 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

Die Grundgebärde des "A"
Das "A" beginnen Sie damit, dass Sie beide Hände vors Herz bringen. Die Handwurzeln befinden sich nahe am Brustbein, die Ballen Ihrer Daumen berühren sich leicht, die Fingerspitzen schauen nach vorne und stehen ein wenig nach links und rechts.

Jetzt konzentrieren Sie sich auf den Brustkorb, bauen im Herzbereich und im Oberkörper eine leichte Spannung auf und schieben die Hände von dort aus langsam nach links und rechts vorne in die Welt. Das machen Sie so lange, bis die Arme gestreckt sind und ein Winkel entsteht, in dem Sie die Welt wahrnehmend empfangen. Wenn Sie die Spannung im Oberkörper so steuern, dass dieser ein klein wenig grösser wird, bewegen sich die Hände fast von alleine und die Arme sind fast gewichtslos.

Nun geben wir dieser Gebärde, die Sie eben strömend gebildet haben, noch etwas mehr Charakter. Behalten Sie die "A"-Stellung der Arme und die Körperspannung, die die Arme trägt, unverändert bei und konzentrieren Sie sich ein zweites Mal auf Ihr Herz. Schicken Sie eine strahlende Energie vom Herzzentrum durch die immer noch gestreckten Arme und durchstrahlen Sie diese, sozusagen aus tiefstem Herzen, nochmal neu von innen.

Wenn Sie nach dem ersten strömenden Aufbauen der "A"-Gebärde gemeint haben, die Arme sind schon ganz gestreckt, dann werden Sie staunen. Indem Sie die Arme von innen her durchstrahlen, strecken sich diese, ohne dass die Ellenbogen unter Kraftaufwand durchgedrückt werden, noch mehr. Ausserdem bekommen Sie das Gefühl, dass das Durchstrahlen nicht bei den Fingerspitzen aufhört, sondern weit über die Hände hinausgeht.

Wenn Sie gleichzeitig Ihren Körper gut spüren, entsteht durch die Arme hindurch eine Gegenströmung, die so stark werden kann, dass es Sie nach hinten neigt. Trotz Ihrer offenen Gebärde werden Sie zentriert, die Wirbelsäule streckt sich, die Lunge dehnt sich aus und atmet tief durch. Wenn das geschieht, haben Sie alles richtig gemacht. Da Sie die Natur um sich herum mittels der Gebärde in Ihr Herz hineinlassen und sie dort aufnehmen, nehmen Sie Ihre Umgebung vielleicht sogar anders wahr.

Machen Sie das "A" nicht zu weit. Der Raum zwischen den Armen ist das, was mit Ihnen zu tun hat, für das Sie sich öffnen. Das, was ausserhalb ist, ist für den Moment nicht relevant.

Die Oberschenkel sind, vor allem beim Skifahren, immer mit dabei. Auch wenn die Gebärde vorwiegend vom Herzen ausgeht und in den Armen ausgeführt wird - die vom Herzen ausgehende Strahlung geht durch den ganzen Körper und erreicht auch die Oberschenkel. Bleiben Sie in den Beinen weich und elastisch, damit diese reagieren und den Prozess stützen können, zum Beispiel indem Sie sich ein wenig strecken.

Das "A nach oben"
Statt die Hände vom Herzen aus nach vorne zu öffnen, können Sie die Arme auch nach oben schicken. Achten Sie dabei darauf, dass Sie einen guten Kontakt zum ganzen Körper behalten. Dann werden Sie durch die innere Gegenbewegung des Körpers eine sehr gute Verbindung nach unten bekommen. Wenn Sie sich stattdessen von den Händen mit nach oben ziehen lassen, verlieren Sie den Kontakt zum Boden, die Skier machen, was sie wollen, der Gegenstrom aktiviert sich selbst auf materielle Weise - und Sie landen im Schnee.

Spielen Sie beim "A nach oben" mit dem Gegenstrom. Dann werden Sie unvergessliche Momente erleben. Zum Beispiel dann, wenn es leicht schneit und Sie auf einer leeren Piste um eine langgezogene Kurve direkt auf die vor Ihnen leuchtende Sonne zufahren. Ihre Arme sind in ein ganz mit dem Licht verbundenes "A" hineingestiegen. Sie nutzen deren Sog nach oben, um Ihr Herz zu öffnen und es leicht zu machen, und begegnen so dem besonderen Naturereignis vor sich.

Tanzen mit dem "A"
Alles, was bisher gesagt wurde, kann von jedem Fahrer, egal wie erfahren oder unerfahren, ohne Gefahr und mit Gewinn ausprobiert werden. Aber das, was jetzt kommt, richtet sich ausschliesslich an erfahrene Skifahrer, welche die Eurythmie auf Skiern beherrschen und mal an ihre Grenzen gehen möchten. Als Anfänger sollten Sie das auf keinen Fall versuchen.

Was geschieht, wenn Sie das "A nach oben" einmal bewusst falsch ausführen? Sie beginnen zuerst ganz normal und schicken die Arme nach oben. Dann strömen Sie durch die in der "A"-Gebärde nach oben gerichteten Arme immer weiter hinauf, bis es sich anfühlt, als würden Sie von den Leinen eines Fallschirms in die Luft gezogen. Das kann so weit gehen, dass sich unten die Füsse zusammenziehen und Sie auf Zehenspitzen in den Skischuhen stehen. Obwohl Sie genauso viele Kilogramm auf den Boden bringen wie vorher, wird alles ganz leicht, die Skier machen ein wenig, was sie wollen, und tanzen mit Ihnen über die Piste.

Von aussen mag das befremdlich aussehen: Da ist jemand nicht ganz auf dem Boden. Aber derjenige, der experimentiert, möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören damit. Auf einer steil abfallenden Piste wird das richtig spannend. Falls Sie das ausprobieren, achten Sie bitte darauf, dass Sie sich immer noch sicher genug fühlen und das Experiment jederzeit abbrechen können.

Das "A nach unten"
Wenn Sie das "A" vom Herzen aus langsam nach unten machen, strömt es den ganzen Körper mit hinunter. Die Hände sind so aktiv, dass sie die Knie mitnehmen und die Beine sich ein wenig beugen. Achten Sie darauf, dass die Richtung der Arme nicht nur nach unten, sondern auch in die Breite geht und dass auch die Finger durchstrahlt und gestreckt werden. Da man beim Fahren selten ganz gerade auf den Skiern steht, zieht es einen beim Hinuntergehen automatisch ein wenig zur Seite, wodurch man mit jedem "A nach unten" einen neuen Bogen einleitet. Das innerliche Hinunterströmen gibt Ihnen eine gute Bodenhaftung und die Skier ziehen ruhig und bestimmt durch die Kurve.

"Wie bitte?", werden Sie sagen, "Die Gegenbewegung müsste mich doch eigentlich nach oben steigen lassen?" Ja, da haben Sie gut aufgepasst, aber erinnern Sie sich an meinen Satz im Buch: "Je nachdem, wie Sie in die Bewegung hineingehen, kann der Gegenstrom gleichzeitig oder erst danach auftreten".

Beim "A nach oben" war es uns sehr wichtig, dass Sie den Gegenstrom sofort aktivieren. Sie dürfen, um nicht zu stürzen, auf keinen Fall den Kontakt zum Boden verlieren. Beim "A nach unten" können Sie ruhig nach unten mitgehen, da passiert nichts Negatives. Durch das intensive Mitströmen beim Hinuntergehen halten Sie den Gegenstrom zurück und lassen ihn erst aufsteigen, wenn Sie die Kurve fast fertig haben. Dann hebt er Sie von unten hoch, die Skier entlasten von alleine, und mit dem nächsten "A" beginnt die neue Kurve.

Die Voraussetzungen für den zeitversetzten Gegenstrom sind ähnlich wie beim zeitgleichen Gegenstrom. Bleiben Sie beim Bilden des "A nach unten" relativ aufrecht und lassen Sie sich nicht vom Zug der Arme nach vorne beugen. Begleiten Sie die äussere Bewegung der Arme, indem Sie mit dem Gefühl entlang der Wirbelsäule mit hinunterströmen. Wenn Sie in der nach unten geöffneten Position durch die Arme noch weiter nach unten strömen, entsteht durch das anschliessende Loslassen ein starker Energiestrom von unten, der dazu führt, dass der Körper wie von selbst hochgetragen wird und ganz tief durchatmen kann.

Das "A nach unten" mit gleichzeitigem Gegenstrom
Natürlich können Sie beim "A nach unten" den Gegenstrom auch gleichzeitig erzeugen und sich - während Sie nach unten gehen - von unten nach oben durchströmen. Strecken Sie sich aber nicht eigenaktiv, sondern erzeugen Sie die Streckung durch das Hinuntergehen mit den Armen. Sie werden feststellen, dass Sie trotz dem inneren Aufstrom eine erstaunlich intensive Verbindung nach unten bekommen.

Wenn Sie die Kurven so fahren, dass Sie den Gegenstrom gleichzeitig geschehen lassen und die Strukturkraft des "A" aktivieren, sind Sie ganz im vokalischen Prinzip. Wenn Sie den Gegenstrom zuerst unterdrücken und ihn am Ende der Kurve zum Ansetzen der nächsten Kurve nutzen, fahren Sie dynamischer und integrieren bereits konsonantische Elemente in Ihren Fahrstil.

Unten und oben verbinden
Vielleicht werden Sie beim Ausprobieren auf der Piste feststellen, dass es beim "A nach oben" nicht einfach ist, gleichzeitig den Gegenstrom zu erzeugen und den Kontakt nach unten zu behalten. Dann kann es Ihnen helfen, dass Sie zuerst das "A nach unten" machen. Dadurch bekommen Sie eine gute Verbindung zum Boden. Dann führen Sie die Arme langsam in einem Bogen nach oben. Die von unten hinaufgehenden Hände werden Ihnen helfen, innerlich besser hinuntergehen zu können. Wenn die Arme in der Endstellung des "A nach oben" angekommen sind, fahren Sie in dieser Stellung weiter, um zum Beispiel das Panorama intensiv in sich aufzunehmen.

Für mich ist es auch schön, das "A nach oben" und das "A nach unten" durch langsames Auf- und Abschwingen der Arme zu verbinden. Ich beginne wie vorhin mit dem "A nach unten", führe die Arme langsam im Bogen nach oben, dann wieder nach unten usw. Wenn man ungestört fahren kann, erzeugt dieses kontinuierliche, ruhige Auf- und Abschwenken der Arme in der "A"-Stellung ein sehr schönes Körpergefühl.

Haben Sie Lust auf ein Experiment? Beginnen Sie mit dem "A nach unten" und führen Sie die Arme langsam im Bogen nach oben. Sind Sie mit Hilfe des aufsteigenden "A"-Bogens innerlich gut nach unten gekommen? Wenn Sie nun die Arme wieder nach unten schwenken, gehen Sie mit dem Gegenstrom nur so weit nach oben, dass Sie das Gefühl haben, das Zwerchfell hält einen Teil des Stroms auf und etwas davon bleibt unten. Mit etwas Übung bekommen Sie mit der Zeit das Gefühl, dass Sie beim Fahren nicht mehr mit den Augen in die Umgebung schauen, sondern aus dem Bauch heraus. Das ist gar nicht so schwer, und ein interessantes Gefühl. Gehen Sie auf diese Weise ruhig einmal etwas freier mit dem Gegenstromprinzip um.

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass die "A"-Winkel unten und oben sehr schön ausgebildet sind, aber der Winkel auf dem Weg nach oben oder unten enger wird und eine Form wie ein Kühlturm entsteht: oben und unten breit, in der Mitte schmal. Versuchen Sie, das zu vermeiden. Sie profitieren mehr von der Bewegung, wenn die Armstellung in der Mitte breit ist und die Gebärde auf Herzhöhe offen und empfangend bleibt.

"A" mit den Beinen
Bilden Sie doch mal ein "A" mit den Beinen: ein Bein nach links, eines nach rechts strecken, die Skier parallel stellen und losfahren. Da Carving-Skier ein erstaunliches Mass an Eigensinn entwickeln können, werden Sie ziemlich viel Willenskraft aufbringen müssen, um die Skier über längere Zeit in grossem Abstand parallel zu halten und so einen Hang hinabzufahren.

Damit die Beine wirklich ein "A" ausdrücken, reicht es aber nicht, sie einfach nur auseinanderzuhalten. Die Wirkung eines Vokals entsteht nur, wenn Sie die Beine auch durchstrahlen! Beim "A" mit den Armen haben Sie das vom Herzen aus gemacht. Bei den auseinandergestellten Beinen machen Sie es vom Bauchbereich, vom Solarplexus aus. Dann haben Sie einen guten Stand und die Wirbelsäule ruht fest und aufrecht auf den Beinen.

"Haben Sie nicht gesagt, alle Vokale gehen vom Herzen aus?" Richtig! Aber wenn Sie die Gebärden der Eurythmie mit den Beinen ausführen, können Sie das schlecht vom Herzen aus tun. Hier kommt uns der Solarplexus, das Sonnengeflecht zu Hilfe. Es greift die Gefühlsströmung vom Herzen auf und lenkt sie als Willenskraft in die Beine.

Das "abströmende A"
Auch das Loslassen gehört zum "A". Nur wer loslässt, kann sich wirklich öffnen und sich vorbehaltlos freuen über das, was kommt.

Greifen Sie mit den Händen über Ihren Kopf. Strecken Sie die Fingerspitzen und ziehen Sie sie nach links und rechts, als würden Sie oben am Himmel einen Vorhang zur Seite ziehen wollen, um die Sterne sichtbar zu machen. Wenn Sie den eigenen Körper dabei nicht vergessen, nur mit dem Gefühl nach oben schauen und mit den Augen nach vorne, haben Sie trotzdem einen guten Kontakt zum Boden.

Spüren Sie Ihren Hinterraum, während Sie die nach links und rechts geweiteten Arme langsam nach unten sinken lassen. Vielleicht haben Sie dabei das Gefühl, dass alle Sterne des Himmels mit nach unten strömen. Entspannen Sie das Zwerchfell und vermeiden Sie ein Hohlkreuz, um den Strom vom Rücken und um Sie herum bis tief in die Erde nicht zu unterbrechen.

Gehen Sie innerlich mit. Der Beckenboden und die Knie sind entspannt. Wenn Sie unten angekommen sind, hören Sie nicht gleich damit auf, sondern strömen durch die Arme und Hände eine kurze Zeit weiter in die Erde hinein. Wenn Sie damit aufhören und loslassen, kann es sein, dass es sich anfühlt, als würde Ihr Körper von selbst hochgetragen und aufgerichtet. Der Aufstrom entfaltet seine Fülle im Herzbereich, die Lunge atmet tief durch und der ganze Körper fühlt sich gekräftigt und erfrischt an. Wenn Sie wollen, begleiten Sie diesen inneren Aufstrom zum Herzen mit den Händen.

Dieses den Rücken hinabfliessende "A" ist für das Skifahren eher ungeeignet. Für mich ist es aber so etwas wie das "Ur-A". Darum wollte ich es Ihnen nicht vorenthalten. Weckt es auch bei Ihnen Erinnerungen an das Märchen der Gebrüder Grimm "Die Sterntaler"?

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