Eurythmie auf Skiern - Grundlagen der Eurythmie 
 
 
   

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Textauszug aus dem Buch "Eurythmie auf Skiern"
gekürzt, o
hne Bilder, Skizzen, Ergänzungen und Literaturangaben

 
Bewegen mit der Kraft des Bewusstseins

Hier werden einige Grundlagen geschildert, die für die Eurythmie auf Skiern wichtig sind. Wie kommt es dazu, dass man die Gebärden nicht einfach macht, sondern dass sie zum Erlebnis werden können?

Eurythmie - Spannung und Gegenspannung
Wenn ich Ihnen bei der Beschreibung der Gebärden die Bewegungsabläufe der eurythmischen Gebärden beschreibe und Ihnen erkläre, wie Sie diese beim Fahren einsetzen können, werden Sie immer wieder das Wort "Spannung" finden. Ich möchte Ihnen jetzt erklären, wie ich dieses Wort verwende.

Wenn Sie "Spannung" hören, denken Sie normalerweise an Anspannung, an Kontraktion, an Druck oder Ähnliches. Darum werden Sie, wenn ich Sie bitte, in den Händen etwas Spannung aufzubauen, normalerweise die Muskeln der Hände zusammenziehen. Dann ziehen die Muskeln und Sehnen an den Knochen, die Gelenke werden fest und wer Ihren Finger biegen möchte, müsste Kraft aufwenden.

Wenn Sie Ihr Körpergefühl geschickt mit der Feinmotorik Ihrer Handmuskeln zusammenspielen lassen, können Sie eine Art Gegenspannung oder Positiv-Spannung erzeugen. Ihre Muskulatur wird lockerer, die Gelenke fühlen sich elastisch an, wer Ihren Finger bewegen möchte, muss auch etwas Kraft aufbringen, aber der Finger gibt nach und geht mit. Die Hand fühlt sich an wie ein Schwamm, der sich mit Wasser vollsaugt und davon dick wird. Wenn Sie das beherrschen, können Sie auch Kontraktionsspannung erzeugen, bei denen die Muskeln nicht starr und fest werden. Dieser Prozess fühlt sich eher an wie ein Verdichten.

Immer wenn ich von "Spannung" spreche, meine ich diesen feindosierten Spannungsaufbau, der mit einem aktiven Weich- und Weitwerden oder einem leichten Verdichten verbunden ist. Diese Positiv-Spannung ermöglicht, dass der Körper Bewegungsabläufe selbst koordinieren kann, ohne dass diese von mir direkt gesteuert werden.

Wahrnehmen als Grundprinzip
Die Eurythmiebewegungen, die Sie in den Videos sehen und die im Buch beschrieben werden, sind das sichtbare Ergebnis unsichtbarer Kräftewirkungen. Um diese ätherischen, d. h. sich selbst tragenden, fliessenden und von innen her strukturierten Bewegungen hervorzurufen und zu gestalten, müssen Sie auf mehreren Ebenen aktiv werden:

  1. Sie erzeugen in dem Körperteil, den Sie bewegen wollen, eine leichte Spannung. Das erreichen Sie, indem Sie diesen Körperteil mit Hilfe des Körpergefühls sanft zusammenziehen und verdichten oder ihn von innen her etwas weiten, als wäre er ein Luftballon, den Sie aufblasen können.
  2. Parallel dazu bauen Sie im Körper eine leichte Positiv-Spannung auf. Wo und wie ist abhängig von der beabsichtigten Bewegung.
  3. In Ihren Gedanken haben Sie ein Bewusstsein von dem, was Sie bewirken wollen und nehmen das in Ihr Körpergefühl auf.
  4. Das Körpergefühl benutzen Sie als vermittelndes Wahrnehmungs-organ, Ihre Körperspannung als Energielieferant. Damit führen und verstärken Sie die Bewegung.
  5. Als Anfänger können Sie den Beginn der Bewegung eigenaktiv unterstützen.

Bei der im Buch beschriebenen Basisübung "Aufströmen - Abströmen" konzentrieren Sie sich zuerst auf die Hände. Dann spüren Sie so in die Hände hinein, dass diese anfangen, sich leicht anzufühlen und ein Strom fühlbar wird, von dem Sie nach oben getragen werden. Mit Ihrem Bewusstsein und mit Hilfe der Spannung in den Händen und im Körper steuern Sie die Geschwindigkeit und die Höhe des Aufsteigens.

Genauso merken Sie, dass es Sie leicht nach hinten zieht, wenn Sie mit der richtigen Körperspannung achtsam hin zu Ihrem Rücken fühlen. Oder dass Ihre Arme durch Ihre Gedanken so leicht werden, dass sie wie Flügel von selbst nach oben steigen.

Strom und Gegenstrom
Ätherische Bewegungen haben noch ein weiteres Merkmal: Zu jeder vom Äther getragenen Bewegung gibt es eine Ausgleich schaffende Gegenbewegung. Ein Aufstrom ruft einen Abstrom hervor. Ein Sich-Ausdehnen nach aussen führt auf einer anderen Ebene nach innen. Je nachdem, wie Sie in die Bewegung hineingehen, kann der Gegenstrom gleichzeitig oder erst danach auftreten.

Das ist wie bei einem Fluss. In seinem Bett strömt das Wasser von der Quelle bis ins Meer. Aber das Wasser fliesst nicht im Flussbett zurück zu den Bergen, sondern - getragen von der Luft - oben am Himmel. Genauso treten auch die Gegenbewegungen im Körper nicht an dem Ort auf, wo sie verursacht werden.

Alle eurythmischen Vorgänge beruhen auf solchen Gegenbewegungen. Sie gewährleisten, dass der Bewegungsablauf von ganzheitlichen, aufbauenden Prozessen getragen ist und nicht nur vom Ego produziert wird. Wenn die Gegenbewegung nicht zustande kommt, sollten Sie auf die Suche nach ihr gehen. Vielleicht ist sie schon da, und Sie bemerken sie nur nicht?

Wenn zum Beispiel beim "W" die Arme vom Aufstrom hochgetragen werden, will der Körper vielleicht nach unten gehen. Unterstützen Sie Ihren Körper dabei, sobald Sie es wahrnehmen. Kosten Sie die Gegenbewegung aus! Dann wird der Bewegungsablauf fein, geformt und ausdrucksvoll. Und er bekommt Charakter, zum Beispiel den eines Lautes.

Langsame Gebärden, auch beim schnellen Fahren
Langsamkeit ist voller Energie. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Stab vor, der auf dem Boden liegt. Wenn Sie ihn an einem Ende mit dem Finger langsam vorwärtsschieben, ist diese Vorwärtsbewegung sofort am anderen Ende angekommen, obwohl sich der Stab selbst nur langsam bewegt. Genauso kann unser Energiekörper eine Bewegung unendlich schnell weitergeben, auch wenn er sich selbst nur langsam bewegt.

Aus dem gleichen Grund schlage ich Ihnen vor, bei der Eurythmie auf Skiern die eurythmischen Bewegungen der Arme und Beine zunächst möglichst langsam und intensiv zu machen, und zwar unabhängig von Ihrer Fahrgeschwindigkeit! Damit meine ich nicht, dass Sie sich künstlich bremsen sollen. Ich spreche von der energievollen Langsamkeit, die entsteht, wenn eine Bewegung intensiv gefühlt und stark geführt wird.

Nehmen Sie sich zumindest am Anfang immer wieder Zeit, das zu üben. Benutzen Sie zum Beispiel eine ganze Hangbreite, um bei dem einen Buchstaben die Arme ganz langsam nach links und rechts auszubreiten oder bei einem anderen Buchstaben die Arme ganz langsam im Rücken herunterkommen zu lassen. Und achten Sie beim schnellen und rhythmischen Fahren darauf, dass die Dynamik der Skier nicht bis in die Arme durchschlägt. Machen Sie zum Training die Gebärden auch bei hohem Tempo oder anspruchsvoller Piste extra ruhig und langsam. Die Bewegung soll mit den Skiern abgestimmt, aber nicht von ihnen bestimmt sein.

Einfache Basisübungen
Sie lernen im Folgenden drei Prinzipien kennen, die für die Bildung der eurythmischen Gebärden wesentlich sind:

  • das Prinzip von Strom und Gegenstrom
  • das Erlebnis, dass die Arme Ihren Absichten folgen, ohne dass Sie selbst aktiv eingreifen.
  • die Tatsache, dass die Ursache für eine Bewegung an einer anderen Stelle liegen kann als dort, wo die Bewegung äusserlich sichtbar stattfindet.

Die Übungen sind im Video "Einführung" demonstriert. Es ist empfehlenswert, sie zuerst zu Hause auszuprobieren, bevor Sie beginnen, mit Eurythmie auf Skiern zu experimentieren.

Aufströmen - Abströmen
Wie bereits erwähnt, erzeugt jede Bewegung anderswo eine Gegenbewegung. Das Wasser fliesst zum Meer, aber es kommt durch die Wolken in die Berge zurück. Unser Herz drückt das Blut pulsierend durch die Arterien in die Peripherie des Körpers, und die Venen bringen es ruhig und fast ohne Druck ins Herz zurück.

Auch in unserem Körper treten überall solche für das Gleichgewicht und die innere Harmonie sorgenden Gegenbewegungen auf. Damit sie sich entfalten können, gibt es eine Bedingung: Man muss sie wahrnehmen. Bei folgender Basis-Übung können Sie das auf einfache Weise üben.

Stellen Sie sich locker und gerade hin. Spüren Sie in Ihren Körper hinein. Geben Sie Kraft in Ihre Hände und heben Sie diese langsam mit aufwärts gerichteten Handflächen vor dem Körper von unten nach oben. Merken Sie, dass Sie damit im Bereich der Hände einen Aufstrom von Energie nach oben bewirken? Spüren Sie, dass Sie dadurch einen festeren Stand bekommen und geerdet werden?

Drehen Sie nun die Handflächen nach unten und strömen Sie mit den Händen vor dem Körper wieder nach unten. Fällt Ihnen auf, dass Sie am Ende der Bewegung das Gefühl haben, grösser geworden zu sein?
Wenn Sie das ganz in Ruhe mehrmals wiederholen, können Sie Ihren Atem und die Bewegung des Brustkorbs mit diesem Auf- und Abströmen mitgehen lassen. Meistens ist es so, dass das Aufströmen ein Einatmen bewirkt und das Abströmen ein Ausatmen. Machen Sie das bitte so ungezwungen wie möglich.

Sie können auf einem Weg auch mehrere Atemzüge machen. Wenn Sie also beim Aufsteigen auf halbem Weg den Drang verspüren, auszuatmen, dann tun Sie das! Das passt genauso gut. Merken Sie, dass sich der Atemrhythmus dem Auf- und Abströmen der Hände anpasst?

Wenn Sie vor lauter Konzentration auf das Auf- oder Abströmen vergessen, bei sich zu bleiben, und nicht gleichzeitig Ihren eigenen Körper spüren, werden Sie den Gegenstrom nicht erleben und verlieren Kraft, anstatt Kraft zu bekommen.

Das lässt sich ganz leicht ausprobieren: Vernachlässigen Sie einmal extra Ihr Körpergefühl. Konzentrieren Sie sich nur auf Ihre Hände und gehen Sie ganz mit den Händen und dem von diesen bewirkten Strom mit. Dann wird sich die Lunge immer mehr aufblähen, im Halsbereich entsteht ein unangenehmer Druck, und es fühlt sich an, als würde es Sie aus Ihrem Körper herausziehen. Wenn Sie die Hände sinken lassen und ganz mit dem Abstrom mitgehen, werden Sie schwer, sacken in sich zusammen und wollen kaum noch einatmen.

Die Flügel steigen lassen
Mit Hilfe der zweiten Basisübung lernen Sie, den Körper oder einzelne Gliedmassen (hier die Arme) zu bewegen, ohne direkt in die Bewegung einzugreifen. Das geht, weil in jedem Menschen bestimmte Grundbewegungen angelegt sind, die er nur denken muss, um sie zu aktivieren. Aber es funktioniert nur, wenn der ganze Körper im Einsatz ist - und nicht der Kopf.

Stellen Sie sich gerade hin. Spüren Sie in sich hinein. Nehmen Sie Ihren Rücken, Ihre Schulterblätter, die Arme und Hände wahr. Drehen Sie die Handrücken der hängenden Arme ein wenig nach hinten. Lassen Sie Ihre Arme leicht werden und links und rechts vom Körper nach oben steigen.

Wenn Sie Rücken, Schulterblätter und Arme gut spüren, sollte das kein Problem sein. Lassen Sie die Arme bis auf Schulterhöhe steigen und wieder sinken. Funktioniert es? Dann probieren Sie einmal, Ihre Arme so weit steigen zu lassen, dass sich die Verlängerung der Unterarme und Finger hoch über dem Kopf kreuzt, und versuchen Sie, diesen Punkt in Ihrer Phantasie möglichst konkret zu spüren.

Vergessen Sie aber nicht, dass es auch eine Gegenbewegung gibt, und dass es wichtig ist, bei allem, was nach oben geht, auch nach unten zu spüren. Versuchen Sie deshalb, wenn Sie die Kreuzung über Ihrem Kopf entstehen lassen, in Ihrer Phantasie tief unter sich das Spiegelbild dieser Kreuzung zu erleben - so als würden Sie auf einem Steg stehen und die Sterne sehen, die sich unter Ihnen im Wasser spiegeln.

Danach lassen Sie die Arme langsam wieder seitlich sinken. Schaffen Sie das, ohne aktiv zu werden und Ihrer Muskulatur den Befehl zu erteilen, die Arme zu stützen?

Wenn Sie das Steigen- und Sinkenlassen der Arme auf Anhieb hinbekommen, ist das prima! Wenn nicht, geben Sie bitte nicht gleich auf, sondern probieren Sie es weiter. Diese Dinge folgen keinem Muster. Es gibt immer mehrere Wege, und jeder muss herausfinden, welcher in seinem Fall ans Ziel führt.

Wenn Ihre Arme auf dem Weg nach oben steckenbleiben, haben Sie zwei Möglichkeiten: Verändern Sie an irgendeiner Stelle Ihre Körperspannung, lösen oder spannen hier oder dort ein wenig, und plötzlich geht es weiter. Oder helfen Sie einfach ein bisschen nach, indem Sie die Arme mit normaler Muskelkraft ein wenig höher bewegen, bis die Arme wieder von selbst weitersteigen.

Wenn Sie diese Übung meistern, werden Sie bemerken, dass es Sie nicht nach oben herauszieht, sondern dass Sie im Gegenteil eine gute Verbindung zum Boden bekommen, ja sogar in ihn hineinfühlen können. Und mit etwas Glück gelingt es Ihnen, sich nach dem Sinkenlassen der "Flügel" gross und erfüllt zu fühlen.

Die Arme mit der Kraft des Oberschenkels bewegen
Die Oberschenkel spielen beim Skifahren eine grosse, wenn nicht die Hauptrolle. Ausgleichen von Unebenheiten, Belasten und Entlasten, Druck auf die Kanten geben, an allem sind sie massgeblich beteiligt.
Weil von den Oberschenkeln eine innere Kraftverbindung zum Schultergürtel und zu den Armen besteht, fordern wir bei der Eurythmie auf Skiern immer wieder dazu auf, die Oberschenkel bewusst wahrzunehmen und die Bewegungen der Arme mit Hilfe der Oberschenkel zu bewirken. Sie spielen auch für die Eurythmie auf Skiern eine wichtige, wenn nicht die zentrale Rolle.

Bei der Eurythmie macht man die Gebärden zwar vorwiegend mit den Armen. Aber es ist ein grosser Unterschied, ob man nur die Arme bewegt oder ob darin die Energie des ganzen Körpers zum Ausdruck kommt.

Beginnen wir mit drei Vorübungen, um die Elemente kennenzulernen, die Sie für die erfolgreiche Durchführung der Oberarmbewegung mit Hilfe der Beine brauchen.

  1. Beginnen wir mit einer Übung nur für die Oberschenkel und machen sie uns als Motor der Hoch-Tief-Bewegung bewusst: Klopfen und massieren Sie Ihre Oberschenkel kurz. Das hilft Ihnen, sie besser zu spüren. Gehen Sie dann ein paar Mal, ohne den Oberkörper zu beugen, langsam in die Knie und wieder hoch und spüren Sie gleichzeitig in Ihre Oberschenkel hinein. Bleiben Sie auch beim Hochkommen mit dem Bewusstsein im Oberschenkel und rutschen Sie nicht - was leicht geschieht - mit dem Körperbewusstsein unversehens nach oben.
  2. Jetzt kommt eine Übung nur mit den Armen: Kreuzen Sie die Unterarme locker vor der Brust. Die rechte Hand befindet sich vor der linken Brusthälfte, die linke vor der rechten. Die Ellenbogen sind auf dieselbe Höhe gehoben wie die Hände. Breiten Sie die Arme mehrmals so weit als möglich nach links und rechts aus, und holen Sie sie dann wieder in die Ausgangsstellung zurück. Stimmen Sie Ihren Atem mit der Bewegung ab. Sie können einatmen, wenn die Arme hinausgehen, und ausatmen, wenn die Arme hereinkommen. Andersherum geht genauso gut. Wichtig ist nur, dass Bewegung und Atem koordiniert sind. Wenn Sie das einige Male wiederholen, die Arme jedes Mal intensiv strecken und beim Hereinkommen den Brustkorb entspannen, gibt das mit der Zeit ein gutes Gefühl in der ganzen Brustregion.
  3. Nun gehen Sie dazu über, dass Sie die Arme relativ passiv bewegen und die Steuerung der Armbewegung dem Brustkorb überlassen. Wenn Sie in der Rippenmuskulatur viel Spannung und Gegenspannung aufbauen, sodass Sie zum Ausdehnen des Brustkorbs viel Kraft brauchen, können davon sogar die Arme bewegt werden. Voraussetzung ist natürlich wie immer, dass Sie Ihre Arme und Hände gut spüren und mitgehen lassen, sobald Sie eine Wirkung bemerken. Auf diese Weise können Sie die Arme genau wie vorhin hinaus- und hereinbewegen. Am Anfang ist es wahrscheinlich ungewohnt und mental etwas mehr Aufwand, aber mit der Zeit sollte es ganz einfach gehen.

Jetzt kommt die eigentliche Übung: Gehen Sie leicht in die Hocke und bringen Sie die Arme wie bei der zweiten Vorübung locker in die Ausgangsstellung vor der Brust. Strecken Sie die Beine wie bei der ersten Vorübung langsam und bewusst mit der Energie der Oberschenkel. Geben Sie viel Spannung in die Oberschenkel und spüren Sie gut in Ihre Arme und Hände hinein. Dann sollte es Ihnen gelingen, die Arme so wie bei der dritten Vorübung hinaus- und hereinzubewegen. Nur werden diese jetzt nicht mehr von der Energie des Brustkorbs bewegt, sondern von der Energie der Beine.

Mit der richtigen Körperspannung sollte es Ihnen leicht fallen, die Energie der Oberschenkel in die Arme zu lenken. Sie strecken und entspannen die Beine, und die Arme werden davon nach aussen getragen und nach innen geholt. Physisch sind Sie im Oberschenkel aktiv, dort erzeugen Sie das nötige Energiefeld. Bei den Armen reicht es, wenn Sie diese gut wahrnehmen, die Auswirkung der Beinarbeit spüren und damit mitgehen. Wenn das gelingt, bewegen sich die Arme wie von alleine.

Wiederholen Sie die Armbewegung probehalber noch einmal ohne die Aktivität der Oberschenkel. Vergleichen Sie die beiden Varianten. Was stellen Sie fest? Vermutlich, dass sich der Brustbereich viel freier und offener anfühlt und besser mit Sauerstoff versorgt ist, wenn die Bewegung der Arme mit Hilfe der Oberschenkel bewirkt wird.

Der obere und der untere Mensch

In diesem Abschnitt möchte ich Sie einladen, den Menschen versuchsweise einmal ganz anders anzuschauen, als Sie es gewohnt sind. Ich wiederhole hierbei einige Abschnitte aus meinem Buch "Vom Ort zum Wort, ein Weg zu den Potentialen der Heileurythmie", da diese Zusammenhänge zu den Grundlagen für das Verständnis von Eurythmie auf Skiern gehören.

Geist und Körper - zwei Seiten derselben Medaille
Sicher, der menschliche Körper besteht aus Materie. Aber der menschliche Körper hat auch einen geistigen Gehalt, zum Beispiel Naturgesetze, Regelungsmechanismen zum Selbsterhalt, emotionale Erinnerungen und Lebenserfahrung. Ohne Geist würde die Materie nicht zusammengehalten, der Körper würde sich auflösen. Je geistvoller mein Körper ist, umso kann er auf geistige Inhalte reagieren und meine persönlichen Absichten umsetzen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ich meinen Körper als zu mir gehörig erlebe und mich mit ihm verbunden fühle.

Damit ist nicht gemeint, dass es neben den genetischen, biologischen, chemischen und physischen Gesetzmässigkeiten noch ein zusätzliches geistiges System gibt, das die materiellen Prozesse von aussen steuern würde. Geist und Materie sind keine zwei verschiedenen Dinge, sondern zwei Seiten derselben Sache. So weit kann wahrscheinlich auch jemand, der eine materialistische Lebenseinstellung hat, noch zustimmen.

Lichtkräfte und Schwerekräfte
Stellen Sie sich einen auf der Spitze stehenden Trichter vor - offen zum Kosmos, wach für dessen Differenziertheit mit all den vielen Sternen, Galaxien, Nebeln. Nehmen Sie einmal an, dass der Trichter von Licht erfüllt ist, eine Tendenz zum Leichtwerden hat und am liebsten in den Kosmos, dem Quell seiner Lichtkräfte, zurück und sich dort auzulösen.

Stellen Sie sich dann eine Pyramide vor, die fest auf dem Boden steht. Sie ist aus Steinen, dem Material der Erde, gebaut und gut verankert. Durch ihre breite Basis kommt sie auch beim grössten Sturm nicht ins Wanken. Sie hat einen guten Kontakt zu den materiellen Kräften der Erde und möchte am liebsten Jahrtausende so stehen bleiben.

Wollen Sie diese Kräfte am eigenen Körper erleben? Dann stellen Sie sich mit zusammengestellten Füssen aufrecht hin und strecken langsam beide Hände links und rechts nach oben. Wenn Sie dabei das Gefühl haben, Sie bauen ein Dreieck von Licht auf, das von Ihren Füssen bis zu den Fingerspitzen reicht, und die mit diesem Dreieck assoziierten Empfindungen verstärken, werden Sie sich wahrscheinlich ziemlich leicht fühlen - sehr beweglich, labil, aber auch aufgehoben.

Stellen Sie sich danach breitbeinig hin. Fahren Sie mit flachen Handflächen von einer über dem Kopf vorgestellten Spitze links und rechts nach unten, als würden Sie die Seitenflächen der Pyramide entlangstreichen. Achten Sie darauf, dass der Strom nach unten den ganzen Körper erfasst, der Kopf schwer wird, das Zwerchfell und der Beckenboden entspannt sind. Wenn Sie die Arme gedanklich bis in die Erde hinein verlängern, werden vielleicht sogar die Beine etwas nachgeben. Bleiben Sie innerlich aber trotzdem stark und aufrecht. Wahrscheinlich spüren Sie jetzt ziemlich viel Schwere im Körper. Dafür aber auch das Gefühl von Bodenständigkeit und Stabilität. Sie sind durch nichts zu erschüttern, dafür aber auch nicht so beweglich.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Wirkung erstaunlicherweise stärker ist, wenn man sich den Trichter und die Pyramide nicht räumlich vorstellt, sondern zweidimensional, so als würde man in einem Dreieck stehen, das entweder auf seiner Spitze steht und nach oben zieht oder auf der Basis steht und schwer macht. Das hat damit zu tun, dass wir hier zwei Kraftsystemen auf die Spur kommen, die jenseits des Räumlichen wirken und zusammen den Raum erst hervorbringen.

Ich werde im Folgenden also nicht mehr von Trichter und Pyramide, sondern von Lichtdreieck und Schweredreieck sprechen, manchmal auch - wenn ich auf die Kräfte dahinter deuten will - vom oberen und unteren Kraftsystem.

Diese beiden Kraftsysteme sind mehr als nur gegensätzlich. Licht kann Finsternis vertreiben, das erleben Sie jedes Mal, wenn Sie eine Lampe anzünden. Und Schwere kann Auftrieb erzeugen, das sehen Sie zum Beispiel, wenn mit einer stationären Seilwinde Segelflugzeuge in die Luft gezogen werden. Aber Licht und Schwere? Die beiden Dreiecke symbolisieren eine Urpolarität, die sich durch jeden Prozess zieht, den wir beobachten können.

In der Eurythmie begegnen wir dieser Urpolarität im Gegensatz der Vokale und Konsonanten. Die Vokale sind strahlende Licht- und Herzenskräfte, die Konsonanten sind körperbetont, dynamisch und mit den Schwerekräften verbunden.

Der Mensch ist ein "Zwilling"
In der Medizin gibt es viele Möglichkeiten, um den menschlichen Körper zu betrachten: Die Fünf-Elemente-Lehre des Ayurveda, die Lehre von den zwölf Meridianen, die auf den Tierkreis bezogene traditionelle europäische Medizin des Paracelsus, die Schulmedizin, die anthroposophi-sche Medizin usw. Jedes System hat einen anderen Blickwinkel auf den Menschen.

In der anthroposophischen Medizin ist die Unterscheidung des oberen und des unteren Menschen ein wichtiges Spezialgebiet. Es wäre naheliegend, sich den oberen Menschen als den Kopf und den unteren Men-schen als den Rest vom Körper vorzustellen, aber ganz so einfach ist es nicht. Der obere Mensch umfasst den kompletten Menschen vom Kopf bis in die Füsse genauso wie der untere Mensch.

Im oberen und unteren Menschen drückt sich unsere Zwillingsnatur aus. Der obere Mensch hat sein Zuhause in einem nach aussen, in Richtung Kosmos orientierten System, das wir mittels des auf der Spitze stehenden Dreiecks thematisiert haben. Der untere Mensch hat sein Zuhause in einem System, das die mit der Schwere verbundenen Kräfte besonders gut handhaben kann und das wir mit dem auf der Basis stehenden Dreieck angedeutet haben. Die Verbindung der beiden Systeme wird durch eine Raute symbolisiert, die entsteht, wenn die beiden Dreiecke übereinandergelegt werden.

Je nachdem, welches System auf welche Weise in einem Prozess oder in einem Organ führend ist, gibt es unterschiedliche Ausprägungen. In Gehirn, Nerven und Sinnesorganen führt der obere Mensch, in den Stoffwechselorganen, den Hormonen und Muskeln mehr der untere. Kein System kann alleine etwas erreichen, keines darf das andere beherrschen. Wo das Zusammenwirken gestört ist, entstehen entweder Entzündungen oder Verhärtungen.

Der obere Mensch ist mehr unserem Wachbewusstsein und unseren individuellen Impulsen verbunden. Der untere Mensch mit unserem intuitiven Willen und unserem Lebensgefühl. In der Verbindung von Lungen- und Herztätigkeit wirken oberer und unterer Mensch so zusammen, dass wir dort unsere Mitte erleben.

Bitte machen Sie sich klar, dass sogar im Kopf Stoffwechsel stattfinden muss, damit das Hirn ernährt wird. Und dass wir unsere Muskeln nur dann bewegen können, wenn wir die Bewegung mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Der vitruvianische Mensch
Der "vitruvianische Mensch", die weltbekannte Proportionsstudie von Leonardo da Vinci, gefällt vielen Menschen rund um den Globus. Fühlen wir uns angesprochen, weil wir spüren, dass sie etwas mit uns zu tun hat? Was sagt sie uns?

Wir sehen einen Menschen, der mit leicht erhobenen Händen und aus-einandergestellten Füssen einen Kreis berührt. Sein Nabel bildet den Mittelpunkt des Kreises. Der zweite Mensch breitet seine Arme horizontal aus und berührt mit Füssen und Händen ein Quadrat. Hier bildet der Beckenboden, der Schritt, den Mittelpunkt.

Ist das Bild so beliebt, weil es in einer genialen Weise eine innere Wahrheit abbildet: den oberen Menschen im Kreis, dem Symbol für die Sonne und den Kosmos - den unteren Menschen im Quadrat, dem Symbol für die Erde und für Stabilität?

Der obere und der untere Mensch auf der Piste
Unser Körper ist nicht nur für seine vitalen Lebensprozesse und seine Selbsterhaltung optimiert. Er ist auch ein Bild für die Kräfte, die ihn schaffen und erhalten. Darum werden die Organe, die weiter oben liegen, stärker vom oberen Menschen beeinflusst. Für diesen sind die Arme ein wichtiges Ausdruckmittel. Die Organe, die weiter unten im Körper arbeiten, liegen mehr im Einflussbereich des unteren Menschen. Dem ist es nicht so wichtig, sich auszudrücken, der will sich vor allem bewegen und gebraucht dazu die Beine.

Der obere Mensch versucht, mit der Eurythmie die hinter unseren Lebensprozessen wirkenden geistigen Kräfte sichtbar und erlebbar zu machen. Dazu braucht er die Gebärden der Arme. Würden wir die Eurythmie ganz dem oberen Menschen überlassen, bekämen der Körper und die Beine die Rolle von Statisten.

Beim Skifahrer ist es umgekehrt. Er macht die Arme zu Statisten und verlängert sie mit Stöcken aus Aluminium oder Karbon. Diese benutzt er als Drehpunkt für seine Kurzschwünge und zum Abstützen in scharf ge-fahrenen Kurven. Bei Schussfahrten klemmt er die Stöcke unter die Arme und macht damit den Oberkörper steifer.

Bei der Eurythmie auf Skiern ergänzen sich die beiden Menschen optimal. Der obere Mensch bringt seine Ideen und sein Erkenntnisse ein, der untere Mensch sein Können und sein Freiheitsbedürfnis. Es entsteht ein Ganzes.

Als wir die Aufnahmen für die Videos machten, sind immer wieder Leute stehen geblieben und haben zugeschaut. Manchmal hörten wir, wie sie sich gegenseitig fragten, was wir da taten. Haben wir Demonstrationen im Stehen gemacht, wurde gesagt "Yoga" (oberer Mensch). Sind wir dabei gefahren, meinten sie "Tai-Chi" (unterer Mensch). Es ist bei vielen von uns ein recht deutliches Gefühl für diese beiden Komponenten vorhanden, es ist uns nur nicht bewusst.

Grundelemente der Eurythmie

Die Laute
Um einen Laut hörbar zu machen, müssen Unmengen von Regelsystemen beteiligt werden. In unvorstellbar kurzer Zeit werden in der Lunge, im Kehlkopf, in der Mundmuskulatur, in der Zunge und den Lippen die verschiedensten Stellungen und Spannungen eingestellt, aktiviert und geregelt. Das geht nur, weil hinter den Lauten der Sprache mehr steckt, als wir uns normalerweise bewusst machen. Die hörbaren Laute sind das Ergebnis der Tätigkeiten übergeordneter Strukturkräfte.

In der Eurythmie und Heileurythmie gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir gehen nämlich davon aus, dass die in den Lauten wirkenden Kraftsysteme nicht nur die Sprache, sondern all unsere Bewegungen und Lebensprozesse organisieren. Wir verstehen diese Kraftsysteme als vielschichtige eigenständige Wesen, die wir mit den eurythmischen Lautgebärden teilweise sichtbar machen können. Wenn wir sagen, wir machen ein "A", meinen wir damit eine Gebärde, die dem Energiefeld entspricht, das in diesem Laut wirkt.

Je nachdem, wie man mit der Bewegung in das Kraftfeld einer Lautgebärde hineingeht, kommt etwas anderes zurück und es entsteht eine andere Dynamik. Ein Laut hat viele Seiten - offensichtliche und verborgene - und eine fast unendliche Vielfalt von Variationsmöglichkeiten. Genauso wie ein Mensch, der ja auch ein komplexes System von Kräften ist.

Im Anfang war die Urkraft, die wir Ki nennen. Diese Kraft ist als Laut oder Wort in Erscheinung getreten und hat die Welt, in der wir leben, erschaffen.
Folglich ist unser Leben ein Teil des Universums, und jeder von uns, selbst der Schwächste, besitzt Ki, d. h. eine grosse innere Kraft, die ihm von Geburt an gegeben ist.
Versteht die Bedeutung der Laute und bezieht sie in die körperlichen Aikido-Techniken ein!
Morihei Uyeshiba, Gründer des Aikido

Vokale - Strukturkräfte
Vokale sind Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des oberen Menschen. Es sind Kräfte der Ruhe, Herzkräfte, Strukturkräfte. Ihr Prinzip ist die Strahlung. Eigentlich haben sie keine äussere Bewegung.

Die Gebärde eines Vokals entsteht zuerst mental, als ein inneres Gefühl vom Herzen aus. Die Arme und Hände folgen diesem Gefühl mit einer tastenden, wachsenden Bewegung, bis die Endstellung erreicht ist. Das Gefühl, der Arm wird immer länger, hört auch dann nicht auf, wenn die Arme angekommen sind. Die innere Aktivität bleibt bestehen, bis man eine andere Gebärde beginnt oder die Arme sinken lässt.

Jeder Vokal, der intensiv gebärdet wird, durchstrahlt die betroffenen Muskeln, streckt den Rücken, gibt einen sicheren Stand und verstärkt die aufrechte Haltung.

Die Vokale lassen sich den Qualitäten der Planeten und den Organen zuordnen.

Vokal Planet Organ
A Venus Nieren
E Mars Galle
I Merkur Lunge
O Jupiter Leber
U Saturn Milz
Au Sonne Herz
Ei Mond Gehirn und Fortpflanzungsorgane

Konsonanten - Dynamische Felder
Bei den Konsonanten lässt der gezielte Einsatz von Muskelspannung, Bewusstsein und Körpergefühl die vielfältigen Variationen der äusserlich sichtbaren Gebärden entstehen. Überall finden Sie andere Strömungen und Gegenströmungen. Das Verhältnis von Anspannung und Entspannung ist immer unterschiedlich und bei jedem Konsonanten steuern andere Körperzonen das Geschehen.

Die Konsonanten sind die Ausdrucks- und Arbeitsmittel des unteren Menschen. Wo die Vokale ein Identitätsgefühl der Seele begünstigen, fördern die Konsonanten ein Identitätsgefühl mit dem eigenen Körper und seinen Bewegungen.

Bei den Konsonanten unterscheidet man die Stosslaute "B", "D", "G", "K", "P", "Q", "T", die Blaselaute "C", "F", "H", "S", "V", "W", die Nasallaute "M" und "N", den Wellenlaut "L" und den Zitterlaut "R". Die Stosslaute wollen bilden und festigen, die Blaselaute durchströmen, auflösen, zeichnen. Das "R" ist näher an den Stosslauten, das "L" näher an den Blaselauten. "M" und "N" stehen in der Mitte. Jeder dieser Laute bewegt anders und vermittelt andere Empfindungen und Gefühle.

Das "R" hat zum Beispiel etwas von einem rollenden Rad. Es hat Bodenhaftung und treibt doch die Bewegung voran. Das "S" gibt Ihnen die Kraft, eine Linie zu führen und die Krümmung eines Bogens so zu verändern, wie Sie möchten. Das "H" hilft Ihnen, eine Last abzuwerfen und leicht zu werden. Konsonantisches finden Sie in allen Bewegungsvorgängen der uns umgebenden Natur.

Die Konsonanten haben eine Beziehung zu den Qualitäten der Tierkreiszeichen, diese wiederum zu bestimmten Körperzonen. In der folgenden Liste sind sie in der Reihenfolge der Sternzeichen aufgeführt. An manchen Stellen werden Sie zwei Buchstaben finden. Das sind die sogenannten Doppellaute. Bei diesen haben die scharfen oder harten Varianten eine stärkere Beziehung zum oberen Menschen, die weichen Varianten eine stärkere zum unteren Menschen.

Konsonant Tierkreiszeichen Körperzone
W Widder Kopf
R Stier Hals, Kehlkopf
H Zwilling Schultergürtel
F, V Krebs Brustkorb
T, D Löwe Brustraum
P, B Jungfrau Bauch, Solarplexus
C, CH, SCH Waage Hüfte, Becken
S, Z Skorpion Beckenboden, kleines Becken
K, G Schütze Oberschenkel
L Steinbock Knie
M Wassermann Unterschenkel
N Fische Füsse

Das Wort als Kombination von Lautgebärden
Sprachwissenschaftler sind der Auffassung, dass Worte sich nur über Vorstellungen oder Begriffe auf Dinge beziehen können. Sie sprechen den Worten die Rolle von Zeichenträgern zu. Danach sind Worte vor allem Symbole, mit deren Hilfe man sich verständigen kann, sofern man dieselben Begriffe davon hat.

All die Assoziationen, die Ihnen bei dem Gedanken an ein Haus kommen, definieren die Bedeutung des Begriffs "Haus" - die einzelnen Zimmer, die Treppen zwischen den Stockwerken, die Heizungswärme. Wer diesen Begriff ausdrücken möchte, muss sich dafür eines Wortes bedienen. Er sagt "Haus".

Für uns Eurythmisten sind Worte aber nicht nur Träger von Begriffen. Sie haben auch einen eigenen Inhalt, nämlich Buchstaben, hinter denen mächtige Energiesysteme stehen. "Haus" ist für uns eine Kombination von "H", "A", "U" und "S" und mit diesen vier Buchstaben versuchen wir, das Haus zu bauen, auch wenn es "nur" energetisch ist. Mit dem "H" schaffe ich mir erst einmal so richtig Platz. Mit dem "A" freue ich mich über die Luft, die ich dadurch um mich habe. Mit dem "U" stelle ich mir die Wände so konkret vor, dass ich sie schon fast spüre, und mit dem "S" betoniere ich sie.

Für uns Eurythmisten deutet ein Begriff eben nicht nur auf die Dinge. Er sagt uns, wie wir mit den Buchstaben umzugehen haben, damit ein "Wort" im eurythmischen Sinn entsteht - ein Kraftfeld, das Wesentliches in sich trägt.

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